Die Bitkom hat es eindrucksvoll aufgezeigt: Das Aufkommen von SMS ist im Zeitalter von Messaging-Diensten wie WhatsApp und iMessage seit 2012 im freien Fall:
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Da liegt der Schluss nahe, dass die Tage der SMS gezählt sind – und jeder, der Nachrichten per Push auf ein Handy platzieren will, sich tunlichst davon fernhalten soll. Doch so einfach ist die Rechnung nicht. Wie die Bitkom richtigerweise kommentiert wurden parallel  “viele neue Anwendungen für die SMS entwickelt”. 

Die Argumente pro SMS sollten also auch entgegen des großen Trends berücksichtigt werden.

Verlässlichkeit und Standardisierung

Nach wie vor ist die tradierte SMS die einzige Nachricht, die man unabhängig von einer Internetverbindung an ein Mobiltelefon versenden kann. Dafür tragen die Netzbetreiber Sorge (und lassen es sich ja seit Jahr und Tag auch fürstlich bezahlen, wie ein Vergleich mit dem Download vom Hubble-Teleskop aus 2008 anekdotisch zeigt). Das heißt: Nicht nur die Großmutter erreicht man mit der SMS zuverlässig, sondern alle Mobilfunkteilnehmer. Das ist ein wesentliches Kriterium für alle Anbieter, die sich keine Ausgrenzung des Empfängerkreises leisten wollen oder können. Ein Beispiel dafür sind Taxizentralen, die die Nummer des zugeteilten Funkwagens nach der Bestellung zustellen. So kann man Prozesskosten im Callcenter sparen, ohne Gefahr zu laufen dass man Nutzer erst anhand Ihres genutzten Messengers qualifizieren muss.

Neben der einfachen Benachrichtigung lassen sich aber auch komplexere Interaktionen per SMS abbilden: B2B Anbieter wie Zingle versorgen Hotels, Restaurants oder Parkhäuser schon seit Jahren mit Services, um Kunden per SMS zum Beispiel den Anruf bei der Rezeption zu ersparen. Aktuell starten einige Concierge-Dienste, die die SMS als universellen “heißen Draht” nutzen, zum Beispiel das Startup Magic in den USA, oder das EU-Pendant GoButler.

Exklusivität durch “gegen den Trend schwimmen”

Die Renaissance des E-Mail Newsletters in den letzten 1-2 Jahren macht es vor. Wenn das “Rauschen” auf einem Kommunikationskanal abnimmt, ergibt sich dadurch auch die Chance, dass die eigene Nachricht auf diesem Kanal an Relevanz gewinnt. Dieser Trend ist auch beim Thema SMS zu beobachten – quasi als Newsletter-Destillat. So kann man sich zum Beispiel bei “textmeapps” in den USA jeden Tag eine iOS-App-Empfehlung per SMS schicken lassen. Gut möglich, dass die SMS also auch im Marketing einen zweiten Frühling erlebt. Nicht trotz, sondern wegen des massiven Wegbruchs des Volumens, das die Bitkom aufgezeigt hat.