Im aktuellen kress Report 11/15 wird das Schwerpunktthema “Big Data” für die Planung und Erstellung von TV Inhalten beleuchtet. Auch wir wurden kurz interviewt und wollen die genannten Punkte hier vertiefen.

Seit dem großen Erfolg von Netflix mit “House of Cards”, das u.a. auf Basis von Kundendaten konzipiert wurde, wird in der Branche diskutiert, wie und wann sich dieser Trend fortsetzt – das ob wird kaum noch in Frage gestellt.

Das ist erfreulich und interessant. Aber aus meiner Sicht ist die These, dass Big Data kurzfristig ein Standard-Mittel bei der Konzeption von TV-Inhalten wird, auch eine sehr optimistische Sichtweise. Dies aus zwei Gründen: Nicht ausreichende Kompetenz auf Seite der Anbieter sowie Nutzungsgewohnheiten der Zuschauer.

Big Data fordert hohe Kompetenz und fördert neues Nutzungsverhalten

Zum einen haben Netflix und vergleichbare Anbieter wie Amazon historisch eine signifikant höhere Kompetenz im Data Mining als klassische TV Sender und Produzenten. Hier sind vor “echtem” Big Data noch Hausaufgaben in den Themen BI oder CRM zu erledigen. Der jahrelange Fokus auf das B2B Geschäft Fernsehen / TV-Vermarktung hat naturgemäß andere Fähigkeiten ausgebildet als datengetriebene Technologien und Intelligenz auf B2C Nutzungsverhalten anzuwenden. Viele aktuelle Aktivitäten der Sender im Online-Business helfen hier, diese Kompetenzen jetzt aufzubauen.

Zum anderen sind Serien wie House of Cards zwar wichtig in der Imagebildung von Sendern und erfolgreich im Feuilleton. Das Massenpublikum konsumiert aber heute mehrheitlich noch andere Inhalte. Auch die Abrufzahlen im heutigen VoD Markt zeigen, welche Inhalte einen Mehrwert für Kunden haben. Wir können vermuten, dass die Abrufe von “Two and a half men” und vergleichbaren Serienklassikern über denen von “House of Cards” liegen.

Für zukünftige Formate, Plattformen und Distributionswege wird Big Data an Bedeutung gewinnen. Auch in der Vermarktung sowie bei der Definition neuer Content-Nutzungsformen können Daten eine wichtige Rolle spielen. Aber klassisches TV und auch neue Formate leben immer noch von guten Geschichten und überraschenden Momenten. Und was würde eigentlich passieren, wenn ein Algorithmus analysiert, dass der Tatort, Helene Fischer und Mario Barth die Top-Interessen deutscher Zuschauer sind?