Don´t be evil or sympathy for the devil?

Recherche und Konzept: Katharina Buck

Ende Juni veröffentlichte Google mit dem News Lab einen neuen Service für Journalisten, nachdem kurz vorher die Digital News Initiative (DNI) gestartet wurde. Es handelt sich dabei um einen virtuellen Raum, der Journalisten mittels Tutorials und best practices das Google-Portfolio für ein besseres Storytelling näher bringen und über aktuelle Partnerschaften mit Journalisten informieren soll. Die DNI hat den Zweck, Produktinnovation und den Journalismus der Zukunft zu fördern. Ist das vor dem Hintergrund der Posse um das Leistungsschutzrecht und den Verfahren gegen Google in Brüssel nur ein „smart move“, ein Gang nach Canossa oder aber knallhartes strategisches Kalkül? Wie sollen sich die Verlage, Medienhäuser, Journalisten, Universitäten, Start-up`s und Blogger nun verhalten? Ein Überblick:

Googles Perspektive

Der Slogan: “Use googles technologies to be part of this innovation in journalism that’s happening today”

Das Ziel: Unterstützung des Qualitätsjournalismus mit Technologie und Innovation, um zu einer besseren und demokratischeren Welt zu werden.

Das Angebot:

  • Google möchte Journalisten über das News Lab Tools für Recherchen, optimiertes Storytelling, Distribution und Reichweitenoptimierung zugänglicher machen. Als Beispiele seien Google Alerts, Youtube, und der Google Newsstand genannt.
  • Durch das zur Verfügung stellen relevanter Daten, bspw. mittels Google Trends, möchte Google insbesondere den data driven journalism unterstützen.
  • In Projekten beabsichtigt Google, die Zusammenarbeit mit Journalisten und Media Entrepreneurs auszubauen, um den Austausch zwischen Journalisten und Technologieexperten zu fördern und die Zukunft der publizistischen Medien mitzugestalten.
  • Mit den Mitteln aus der DNI sollen innovative Recherchetechnologien und neue Geschäftsmodelle rund um News Content gefördert werden.

 

Die realistische Perspektive

Der Slogan:Eine Suchmaschine ist nur so gut, wie die Informationen, die sie liefert.“ (Meedia)

Oder besser: „But today’s announcement underscores the company’s decision to take a more active role in what the future of media will look like — perhaps trying to cement its role as a main conduit through which people consume content.“ (Venturebeat)

Das Ziel: Wer hilft Google dabei, eine noch dominantere Rolle nun auch bei der Entstehung von Content und der Recherche hierzu zu erlangen?

Mitmachen! Testen! Lernen! Wissen erweitern! 

Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, dass Google die globale Nr. 1 im  Suchmaschinenmarkt ist und bei den Ad-Sales die Nr.1 vor Facebook. Facebook arbeitet mit gutem Targeting und innovativen Ideen (Instant Articles); für Google bleibt FB damit der größte Konkurrent (nicht etwa andere Medienunternehmen oder gar Verlage).

Die Mission von Google lautet daher, die Informationen der Welt so zu organisieren und für alle zu jeder Zeit zugänglich und nutzbar zu machen, dass weder Contentmacher noch die Nutzer an den Google Tools vorbeikommen. Motto: „deep information enables deep targeting“.

 

Im Bereich der News und News Innovation gibt es daher zwei Herausforderungen für Google. Denn als Zugang zu digitaler journalistischer Berichterstattung nutzen die Leser und Journalisten mehr und mehr den Newsfeed ihrer sozialen Netzwerke (Facebook).

Im Bereich der Organisation von News stützen sich einige Medien-Startups wie bspw. Flipboard oder Smartnews ebenfalls auf soziale Medien, indem sie Beiträge nach der Bedeutung, die ihnen im Umfeld des jeweiligen Freundeskreises zukommt, bewerten und organisieren. Aus der Sicht von Google sind das damit gleich zwei Gründe, entsprechende Innovationen anzustoßen. Die Nutzer sollen wieder über Google den Zugang zur Berichterstattung finden – oder zumindest durch entsprechende Anwendungen in den Beiträgen wieder zu Google-Usern werden.(Google Plus war insoweit ja ein Flop)

Die versierten Journalisten nutzen Google und alle dazugehörigen Tools schon seit Jahren und es ist gut, wenn der Rest damit nun auch umgehen kann! Es war immer schon gut zu wissen was die Leser suchen. Hinter den mächtigen Tools steht viel Kow How; man sollte es nutzen, probieren, mitmachen, jedoch wissen was man tut und wer die Daten bekommt! Die DNI ist hier gleichfalls eine Chance vom führenden Contentinnovator zu lernen! (By the way: Jeff Jarvis, Geeks Bearing Gifts, Seiten 67 ff. lesen!)

Allerdings gibt es viel mehr Tools und innovative Konzepte als nur die von Google! Und die sind teilweise viel spannender als die von Big G.

Facebook, Twitter, Periscope, Instagram, Pinterest, Whatsapp und und und….! Diese Tools sind noch lange nicht ausgeschöpft! Datengetriebene Verifikationstools und IoT in der Recherche stehen erst am Anfang. Unabhängigkeit bedeutet, alle Tools und Möglichkeiten auszuloten!

socialapps

Fazit

Mit Annahme eines Angebots an Tools für die gesamte journalistische Wertschöpfungskette von einem Unternehmen, geht immer auch die Gefahr einher, sich in dessen Abhängigkeit zu begeben. Insbesondere vor dem Hintergrund des journalistischen Anspruchs nach Objektivität und Unabhängigkeit ist an dieser Stelle Vorsicht geboten. Allerdings ist zu erwidern, dass sich Qualitätsjournalismus gerade dadurch auszeichnet, sich nicht nur auf eine Quelle zu berufen und unabhängig zu agieren. Darum sollte der “Markt” nicht nur dieses Angebot nutzen!

So lange Google also ein Ursprung nützlicher Werkzeuge für den Journalisten ist und nicht die Journalisten selbst zu Werkzeugen für Google werden, bieten sich in den Tools nützliche Hilfsmittel und die DNI kann eine Plattform für Innovation und Austausch sein. Für klassische Medienhäuser bleibt an dieser Stelle allerdings zu überdenken, ob sie nicht auch unabhängig den Zugang zu technologischen Innovatoren initiieren sollten – um sich eben nicht NUR passiv in die Abhängigkeit eines technologischen Mega-Konzerns zu begeben.

Zusammenfassend also ist festzuhalten, dass das News Lab und die DNI Zugang zu einigen hilfreichen Tools für Journalisten bieten werden – solange man den eigentlichen Zweck nicht aus den Augen verliert: journalistische Unabhängigkeit und Objektivität zu wahren. Eine gewisse Sympathie hat diese PR Offensive von Google also doch!  Kooperation sorgt für mehr Wachstum als ein Kampf. Im Hinterkopf ist aber immer zu  behalten: bei allem Altruismus geht es letzten Endes auch in einem Unternehmen wie Google doch ums Geld verdienen – eben nur gerne unter dem Motto: „don’t be too evil“.