Sie ist in aller Munde – und dennoch wird sie von den Wenigsten komplett durchdrungen – Blockchain. Im Zuge der Finanzkrise tauchte sie als Pendant zu dem aktuellen Geldsystem in Form der Digitalwährung Bitcoin auf. Über die folgenden Jahre reifte die Blockchain zu einer Plattform, in der Verträge zwischen Nutzern, ohne gegenseitige Vertrauensbasis lückenlos sicher geschlossen werden können. Grund genug sich der Frage zu widmen, was state-of-the-art Projekte der Blockchain für deutsche Verlagshäuser tun können.

Funktionsweise der Blockchain

Der Grundgedanke der Blockchain ist einfach. Eine Transaktion wird auf die zwei wesentlichen Akteure heruntergebrochen, wobei intermediäre Parteien entfallen. Beispielsweise beinhaltet eine einfache Bannerschaltung bei einem Digitalartikel eine Wertschöpfungskette mit Parteien wie Bannerherstellern, Agenturen oder Cyber-Security Firmen, welche alle ihren Teil vom Umsatz haben möchten. Dem Grundgedanken der Blockchain folgend müsste diese Bannerschaltung auf die zwei Protagonisten, namentlich Publisher und Werbeschaltenden, minimiert werden. Somit würden sowohl Transaktionskosten als auch Abwicklungsgeschwindigkeiten signifikant reduziert. Beschließen die zwei Parteien eine Transaktion, bspw. die Entscheidung des Werbetreibenden auf der Seite des Publishers einen Banner zu platzieren, wird sie in ein offenes Kassenbuch eingespeist und von anderen Nutzern verifiziert. Ist dieser Verifizierungsprozess abgeschlossen, wird ein neuer Block an die Datenkette gehängt und kann nicht rückgängig gemacht werden. Soviel zur Theorie, aber wie sieht das Ganze nun in der Praxis aus und was bietet der recht junge Blockchainmarkt aktuell?

Interessante Blockchain Projekte für Verlagshäuser

Blockchain im Werbemarkt

Die Technologie der Blockchain besitzt die Möglichkeit akute Herausforderungen für Online-Publisher zu lösen. Hierzu zählt bspw. die Ungewissheit über die Höhe der Werbeerlöse aus zukünftigen Artikeln. Die New York Interactive Advertising Exchange (NYIAX) ist eine Plattform mit dem Ziel, zukünftige Werbeverträge zu handeln. Das Blockchainbasierte Konzept greift hierzu auf Technologien der Nasdaq Börse zurück. Der Vorteil für Publisher liegt darin, zum aktuellen Zeitpunkt und garantierten Preisen, in Form eines Future-Vertrages, Werbeflächen verkaufen zu können, bei zeitgleicher Minimierung von dritten Profiteuren. Ziel der Plattform, die noch in den Kinderschuhen steckt, ist nach und nach über den Online Werbemarkt hinaus in Bereiche wie Print und Out of Home zu expandieren und eine Handelsbörse für zukünftige Werbeanzeigen auf allen Kanälen zu werden.

Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit der Bekämpfung des Onlinewerbebetrugs, bei dem Bots statt Menschen Traffic auf einem Banner generieren und somit jährliche Schäden von bis zu $16 Mrd. verursachen (Adloox). Die Lösung AdChain widmet sich mit einer eigenen Kryptowährung (sogenannte „coins“) dieser Problematik, indem sie ein Register einführt, bei dem die Teilnehmer incentiviert sind, Publisher auf ihre Legitimität und Reputation zu bewerten und auf einer Whitelist zu vermerken. Jeder Seitenbetreiber kann sich um einen Platz auf dieser Liste bewerben. In einem eigenen Ökosystem haben dann alle Teilnehmer die Möglichkeit, den Bewerber anzuzweifeln, also anzunehmen, dass dieser regelmäßigen Bot-Traffic generiert. In einem demokratischen Abstimmungsverfahren wird anschließend entschieden, welche Meinung überwiegt. Die mehrheitliche Meinung wird nach der Entscheidung in der besagten Kryptowährung vergütet. Im Ergebnis wird ein Whitelisting derer Websites erstellt, welche nach Meinung der Mehrheit seriöse Werbung ausspielen, die von echten Nutzern und keinen Bots angesehen wird.

Auch im Kampf gegen Adblocker bewegt sich etwas. Eines der führenden Projekte ist Brave: Gegründet von Brendan Eich, ehemaligem COO/CEO von Mozilla, versucht die Webbrowserlösung den Werbemarkt im Internet kundenfreundlicher zu gestalten und der zunehmenden Nutzung von Adblockern entgegenzuwirken. Analog zum Grundgedanken der Blockchain ist der Nutzer bei Brave Herr seiner Daten und wird dementsprechend auch an der Vergütung der Werbeeinahmen beteiligt. Hierbei wird die Kundenaufmerksamkeit quantifiziert und entsprechend aufgeteilt und ausgezahlt.  Im Gegenzug stellt Brave sicher, dass lediglich seriöse Werbung geschaltet wird. Durch diese Incentivierungsstruktur erhält der Kunde einen Anreiz, sich gegen die Nutzung eines Adblockers zu entscheiden, da er an jeder von ihm gesehenen Werbung mitverdient.

Blockchain für effizientere Paid-Content Strategien

Bezahlmodelle in Paid-Content können unterschiedliche Strukturen annehmen – von Jahresabonnements zu Tageszugängen – haben Bezahlschranken ihren Weg in das Portfolio von Medienhäusern gefunden. Insbesondere bei Fixed Fee Modellen gibt es allerdings die Herausforderung, dass mit sinkender Transaktionsgröße die durchschnittlichen Margen abnehmen, da die Transaktionskosten einen größeren Anteil am Gesamtbetrag einnehmen. Hier kann die Blockchain helfen: Durch Micropaymentmodelle, die einen Bruchteil der Kosten bestehender Transaktionskosten ausmachen, können Medienhäuser ihre Produkte noch zielgerichteter, kosteneffizienter und profitabler verkaufen. Ein namhafter Vertreter dieses Ansatzes ist Satoshipay. Hier kann der Publisher die Bezahlstruktur beliebig granular gestalten. Beispielsweise könnte ein Text, der ursprünglich einen Euro kostet, gedrittelt werden und mit einer linearen Steigerung pro Drittel vergütet werden. Oder noch extremer, könnten Paymentmodelle auf Zeilenbasis eingeführt werden. Somit würden jene Leser, die den Artikel wirklich lesen, mehr zahlen und die Leser, die sich zu Beginn des Artikels anders entscheiden, entlastet werden. Darüber hinaus sind die Transaktionskosten, die hierdurch entstehen weitaus geringer als über den herkömmlichen Bankenprozess.


Schicklers Empfehlung

Ob die Blockchain ihren Weg in das Tagesgeschäft von Verlagshäusern findet oder nicht, wird die Zeit zeigen. Nichtsdestotrotz zeigt sie uns wieder einmal die gnadenlose Geschwindigkeit, mit der Innovationen im digitalen Zeitalter vorangetrieben werden. Während Medienunternehmen noch vollumfänglich mit der Digitalisierung des eigenen Angebots beschäftigt sind, werden in den Denkzentren dieser Welt schon neue Ideen ausgeklügelt, die disruptiv für bestehende Modelle sein werden. Folglich sind Medienunternehmen gut damit beraten, sich möglichst agil für die Zukunft aufzustellen und mindestens mit einem Auge die aktuellen Entwicklungen weiterzuverfolgen.