Aufgrund der potentiell hohen Effizienzsteigerungen, sieht SCHICKLER eine hohe Anwendungsrelevanz von Chatbots in Medienunternehmen. Wie bereits in Teil 1 angekündigt, besuchten ein Kollege und ich drei Chatbot Anbieter in Berlin, um Anwendungsfälle zu diskutieren und deren Chatbots kennenzulernen.

parlamind

Das Start-up parlamind wurde im Jahr 2015 gegründet. Der Fokus liegt auf der Optimierung des Kundenservices unter anderem mittels eines Chatbots. Parlamind kann an verschiedene Ticketsysteme (z.B. salesforce desk) angebunden werden und bietet zudem eine Omni-Channel Verknüpfung. Das bedeutet, dass Anfragen sowohl über E-Mail als auch über Formulare auf Websites und Chatbots in das System einfließen. Die KI von parlamind selektiert alle Anfragen und weist sie automatisch den entsprechenden Ansprechpartner zu. Einfache (standardisierte) Anfragen kann das System automatisch und in Echtzeit beantworten. Bei komplexeren Anfragen wird weiterhin ein menschlicher Servicemitarbeiter benötigt. Allerdings bietet parlamind dem Mitarbeiter eine Vorauswahl von Antwortbausteinen an, welche durch Anklicken direkt in das Antwortformular eingefügt werden. Zu Beginn der Einführung von parlamind in ein Unternehmen muss ein Skript für mögliche Anfragen und Antworten geschrieben werden. Dann kann ein Konfidenzlevel ausgewählt werden, jenseits dessen das System Anfragen eigenständig beantwortet. Wählt man beispielsweise ein Level von 90% aus, beantwortet das System eine Anfrage nur wenn es sich zu 90% (oder mehr) sicher ist, die Anfrage korrekt identifiziert zu haben und ihr eine passende Antwort zu weißen kann. Die parlamind KI arbeitet auch mithilfe von Machine Learning, das bedeutet je mehr Anfragen bearbeitet werden, desto besser kann es diese zukünftig beantworten. Das System kann zusätzlich durch Menschen trainiert werden, um einen schnelleren und besseren Lernprozess zu ermöglichen. Dazu muss der „Trainer“ Anfragen, bei denen sich das System unsicher war, im Nachhinein die korrekte Antwort zuweisen. Da parlamind hauptsächlich zur Beantwortung von Kundenanfragen dient, ist der vornehmliche Anwendungsbereich in Medienunternehmen das Kundenservicecenter. Parlamind arbeitet bereits mit einigen namhaften deutschen Verlagen zusammen. In dem Gespräch erfuhren wir zu dem, dass sich der Aufwand den parlamind Chatbot zu implementieren, sich erst ab ca. 10.000 Kundenanfragen pro Monat lohnt. Bei weniger Kundenanfragen lohnt es sich nicht, da der Bot nicht ausreichend Daten zum Lernen hat.

scalableminds

Das zweite Start-up, das wir Ihnen vorstellen möchten, ist scalableminds. Scalableminds arbeitet zusammen mit dem Start-up rasa, welches eine Open-Source Software für Chatbots anbietet. Scalableminds entwickelt seine Chatbots basierend auf der Software von Rasa. Grundsätzlich funktioniert der Chatbot von scalableminds ähnlich wie der von parlamind. Beide benötigen bei der Einführung ein geschriebenes Skript, beantworten Anfragen basierend auf einem festgelegten Konfidenzinterval und durch menschliche Unterstützung lernt der Chatbot dazu. Auch scalableminds bietet eine Omni-Channel Verknüpfung mit Kanälen wie E-Mail, Website und allen bekannten Messanger-Diensten. Zusätzlich kann der Chatbot in verschiedenen Sprachen aufgesetzt werden. Die aktuell größte Limitation des Chatbots sind Kundenanfragen, die sich aus mehreren Komponenten zusammensetzen. Möchte beispielsweise ein Zeitungskunde gleichzeitig seine Adresse ändern, die Zeitung für die nächsten 2 Woche abbestellen und noch eine Reklamation anmelden, fällt es dem Chatbot schwer eine passende Antwort zu finden, da das Problem nicht eindeutig zugeordnet werden kann und somit nicht automatisch beantwortet werden kann.

Twyla

Das dritte Start-up, das wir im Rahmen unserer Berlin Tour besuchten, ist twyla. Der Inkubator der Deutschen Telekom hub:raum investiert seit 2017 in das Start-up. Der twyla Chatbots bietet Anschlüsse an viele bekannte Ticketsysteme wie zendesk, salesforce und SAP. In den Funktionalitäten unterscheidet der twyla Bot sich nicht von deren der anderen zwei Start-ups. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom hat twyla einen „conversational store“ aufgesetzt. Anders als auf traditionellen E-Commerce Plattformen, interagiert man im conversational store mit einem Chatbot. Man teilt dem Chatbot mit, nach welchen Produkten man sucht anstatt sich selbständig durch die Website zu klicken. Damit bietet twyla auch andere Anwendungsgebiete als die Bearbeitung von Kundenanfragen. Zusätzlich setzt twyla auf eine sehr einfach zu bedienende Benutzeroberfläche, sodass nach der initialen Aufsetzung des Chatbots, jeder Mitarbeiter den Chatbot trainieren und somit optimieren kann, ohne IT-/Programmierkenntnisse zu benötigen.