Chatbots sind in unserem digitalen Alltag überall präsent: Auf Buchungsseiten für Hotels und Flüge, auf Seiten von Handyanbietern. Sie beantworten Fragen zu Produkten, unterstützen beim Lösen von Problemen und bearbeiten viele weitere Formen von Anfragen. Von vielen Nutzern oft nur als nettes Gimmick ohne wirkliche Hilfsfunktion gesehen, variieren Chatbots stark in ihrer Qualität und ihren Fähigkeiten. Doch was genau sind Chatbots und gibt es potentielle Anwendungsbereiche in Medienunternehmen?

Definition & Erklärung

Das Wort Chatbot setzt sich zusammen aus den Begriffen „Chat“ und „Robot“ und beschreibt somit einen Computer (Robot), der mit einem Nutzer interagiert (Chat). Das Ziel von Chatbots ist es, die Kommunikation mit Kunden zu automatisieren und somit ein qualitativ höherwertiges Serviceerlebnis zu ermöglichen (kein Kunde möchte 30 Minuten in einer Telefonwarteschleife feststecken). Aus Unternehmenssicht können Chatbots außerdem die Effizienz im Kundenservice steigern.

Chatbots interagieren („chatten“) mit Nutzern in Echtzeit. Dabei funktionieren die meisten Chatbots auf Textbasis. Es gibt aber auch einige, die auf Basis von Spracherkennung mit dem Nutzer kommunizieren. Die ersten Chatbots basierten auf vorgeschriebenen Dialogen. Das limitierte die Anwendung stark, denn die Chatbots konnten nur auf wenige vordefinierte Fragen antworten. Mittlerweile setzen Entwickler Künstliche Intelligenz (KI) ein, um eine individualisierte und realistische Konversation zu ermöglichen. Nutzer können mit den Chatbots über verschiedenste Kommunikationskanäle wie Websites, Social-Media-Plattformen und Instant-Messaging-Systemen interagieren. Auch der iPhone Sprachassistent Siri ist im Prinzip ein Chatbot.

Funktionsweise

Die Funktionsweise eines Chatbots lässt sich in zwei Schritte unterteilen: dem Analysieren der Anfrage und der Auswahl der Antwort. Im ersten Schritt wird der Text nach vordefinierten Regeln analysiert, oftmals sucht der Chatbot nach Schlagwörtern. Durch die Analyse kann er idealerweise die Anfrage des Kunden identifizieren. Der nächste Schritt hängt stark von der Qualität des Chatbots ab. Wie eingangs erwähnt arbeitet ein Großteil der Chatbots skript-basiert. Das bedeutet, dass einer limitierten Zahl von Anfragen eine vordefinierte Antwort zugeordnet wurde. Kann der Chatbot die Anfrage nicht eindeutig einordnen, ist er nicht in der Lage eine passende Antwort auszuwählen. Komplexere Chatbots, auch bezeichnet als selbstlernende Chatbots, agieren basierend auf Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen.  Ähnlich wie bei den eingeschränkten Chatbots basieren solche, die mithilfe von Künstliche Intelligenz agieren, in der Einführungsphase auf vorformulierten Skripten. Er kann jedoch dazulernen und somit durch den kontinuierlichen Aufbau einer Wissensdatenbank immer komplexere Anfragen beantworten. Je mehr Anfragen der Chatbot bearbeitet, desto besser funktioniert er. Dabei wird sowohl die Analysefunktion als auch die Antwortfunktion kontinuierlich optimiert. Im Rahmen des Trainings ist zu Beginn jedoch immer noch eine menschliche Komponente notwendig, welche bei nicht lösbaren Anfragen die korrekte Antwort zuweist. Der Chatbot lernt dadurch hinzu und kann die Anfrage das nächste Mal eigenständig beantworten.

Relevanz für Medienunternehmen

Aktuell sieht SCHICKLER den Anwendungsbereich von textbasierten Chatbots vor allem im Kunden Service Center. Chatbots bietet dort eine gute Möglichkeit, Standardanfragen, wie z.B. das Abbestellen von Zeitungen im Urlaub, zu automatisieren und somit den Servicemitarbeitern mehr Zeit für die Bearbeitung komplexere Anfragen oder zusätzliche Aufgaben wie die Bewerbung von Kunden zu ermöglichen. Die potentiellen Kostenersparnisse im Kundenservice durch Chatbots sind enorm. SCHICKLER schätzt den Aufwand der Zeitungsbranche für Kundenservice auf 60-80 Mio. € pro Jahr. IBM gibt an, mit ihrem Chatbot Watson 80% der Kundenanfragen automatisieren zu können, was angesichts des hohen Anteils an Standardanfragen in der Zeitungsbrache realistisch erscheint. Dadurch ergibt sich ein Effizienzpotential von 48-64 Mio.€ pro Jahr. Der wesentliche Vorteil von Chatbots im Kundenservice Center bezieht sich allerdings nicht ausschließlich auf das Senken von Kosten, sondern bietet vor allem eine deutliche Steigerung der „User Experience“. Immer mehr Kunden erwarten durchgängige Erreichbarkeit im Kunden Service Center. Chatbots gewähren diesen Wunsch und eliminieren zusätzlich Wartezeiten, was schlussendlich zu einer höheren Kundenzufriedenheit führt.

Mit voranschreitender Entwicklung von KI sind zukünftige Anwendungen in Bereichen wie der Kundengewinnung oder dem Marketing denkbar. Sprachbasierte Chatbots existieren bereits in Form von Siri, Alexa und Google Assistant. Bis sie jedoch eins zu eins einen menschlichen Mitarbeiter ersetzen können, wird noch einige Zeit vergehen. Textbasierte Chatbots werden einen Großteil der Anfragen automatisieren können, jedoch werden sie weiter Limitationen haben. Die menschliche Komponente bleibt also auch in naher Zukunft ein großer Bestandteil in der Kundenbetreuung, die von den aktuellen Chatbots nicht ersetzt werden kann.

Um potentielle Anwendungsfälle von Chatbots in Medienunternehmen zu diskutieren, trafen ein Kollege und ich uns in Berlin mit verschiedenen Chatbot Anbietern. Lesen Sie unsere Erkenntnisse über die Arbeit in Teil 2.