Operational Excellence in der Auftragsabwicklung: Ein EINBLICK für Anzeigeninnendienste

Operational Excellence in der Auftragsabwicklung: Ein EINBLICK für Anzeigeninnendienste

Die Anforderungen an Werbevermarktungen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Printanzeigen verlieren am Markt zunehmend gegen neue Rivalen wie Google, Facebook & Co. Viele Kunden treffen gar Gattungsentscheidungen und wenden sich vollständig von Verlagshäusern ab. Werbevermarktungen tun daher gut daran zu innovieren – „Digitaler Anzeigenverkauf“, „360-Grad-Vermarktung“ und „Agenturkonzepte“ heißen immer häufiger die Ansätze, mit denen die Verlagshäuser ihre Werbevermarktungen gegen immer professionellere Konkurrenten ins Rennen schicken.

Allerdings steigt hierbei nicht nur die benötigte Vermarktungskompetenz des Regionalverkaufs – auch die Anforderungen an die Auftragsabwicklung verändern sich grundlegend. Noch viel zu häufig versuchen Vermarktungen, digitale Abwicklungsworkflows eins zu eins in bestehende Printprozesse zu gießen. Das Ergebnis sind fehleranfällige Prozessketten mit unzähligen System- bzw. Medienbrüchen und redundanten Schleifen.

In unserem noch im Juli erscheinenden EINBLICKOperational Excellence in der Auftragsabwicklung: Ein Einblick für Anzeigeninnendienste“ hat SCHICKLER seine umfassende Projekterfahrung und konkrete Lösungsansätze zusammengestellt.

Der Markt der Auftragsabwicklung ist kein unerheblicher: Wir schätzen die deutschlandweiten Personalkosten in der Anzeigen- und Beilagenabwicklung für Tageszeitungen und Anzeigenblätter auf über 124 Millionen Euro jährlich. Rund 3.100 Mitarbeiterkapazitäten wickeln hierbei jährlich über 13,5 Millionen Anzeigen- und Beilagenaufträge ab. Dabei schätzen wir, dass die reelle Zahl der am Abwicklungsprozess beteiligten Parteien um ein Vielfaches höher ist. Denn Werbevermarktungen haben oftmals keine trennscharfen Rollenabgrenzungen in Ihren Verkaufs- und am Verkauf beteiligten Funktionen. Eine Herausforderung, die mit zunehmendem Agenturansatz unabdingbar wird, da sich fehlerhafte Prozesse mit steigender Komplexität exponieren.

Im EINBLICK gibt SCHICKLER klare Empfehlungen, welche Schritte ergriffen werden müssen, um die benötigte Trennschärfe im Anzeigeninnendienst zu erhalten und welche Betriebsmodelle am Markt funktionieren.

Auch die Nutzung systemgetriebener Innovation nimmt zu. Wurden beispielsweise „Berater-Apps“ zunächst belächelt, sind sie heute aus Best-Practice-Vermarktungen nicht mehr wegzudenken und können bei an das CRM System angeschlossenem Back-End einen signifikanten Teil der kaufmännischen Auftragsabwicklung automatisieren. Neben der gesteigerten Verkaufsqualität können auch Verkaufsvorbereitung und dem Verkauf nachgelagerte Tätigkeiten optimiert werden. Wie das geht und welche anderen Innovationen sich durchsetzen werden, lesen Sie in unserem EINBLICK.

Generell regt der EINBLICK an, den Blick über den Tellerrand zu wagen und zu verstehen, wie Best-Practices in und um den Verlagskosmos Ihren Post-Sales Bereich strukturieren. Sie wollen sich diesen EINBLICK sichern? Fordern Sie Ihr Exemplar an unter info@schickler.de.

Die SCHICKLER KI-MATRIX: Strukturierte Bewertung von KI-Anwendungsfällen

Künstliche Intelligenz ist die nächste Stufe der wirtschaftlichen Evolution und wird sich in allen Prozessen und Unternehmen etablieren. Große Player wie Facebook, Google und Amazon nutzen Künstliche Intelligenz in einer Vielzahl von Prozessen und verschaffen sich deutliche Wettbewerbsvorteile. Die SCHICKLER KI-Matrix hilft hierbei Anwendungsfälle in Ihrem Unternehmen zu strukturierten.

Die Achsen        

Die Vertikale bewertet den wirtschaftlichen Mehrwert aus einer unternehmerischen Perspektive. Hierdurch werden monetäre Effekte beschrieben, die entweder Kosten senken oder Umsätze heben. Oftmals wirken Anwendungen von künstlicher Intelligenz indirekt, da sie Arbeitsprozesse automatisieren und Mitarbeiter entlasten. So könnte bspw. eine KI Anwendung in der Werbevermarktung Vorschläge für Upselling-Produkte machen. Hierzu bewertet die KI die jeweilige Kaufwahrscheinlichkeit aller Produkte für einzelne Kunden auf Basis ihrer Eigenschaften und Präferenzen.

Wir haben fünf Fragen definiert, mit denen Sie den wirtschaftlichen Mehrwert eines Anwendungsfalls bewerten können. Beantworten Sie Frage 1 und 2 mit „Ja“, haben Sie einen wirtschaftlichen Anwendungsfall gefunden. Beantworten Sie darüber hinaus die Fragen 3 bis 5 mit „Ja“, ist der Anwendungsfall aus wirtschaftlicher Perspektive einfach zu entwickeln und zu nutzen:

Auf der Horizontalen der KI-Matrix wird die Data-Science Attraktivität bewertet. Neben den wirtschaftlichen Faktoren sollten auch technische Kriterien berücksichtigt werden, bevor man über die Umsetzung eines KI-Anwendungsfalls nachdenkt. Dieser technische Aspekt ist für fachfremde Nutzer schwieriger zu beurteilen. Daher erklären wir im Folgenden, was einen Anwendungsfall aus Data-Science Perspektive attraktiv macht.

Von besonderer Bedeutung sind hierbei die Verfügbarkeit und Qualität der verwendeten Daten. Denn diese sind das Fundament, auf welchem die KI-Lösung letztlich „trainiert” wird. Wir empfehlen Ihnen daher so früh wie möglich wichtige Daten für Ihren Anwendungsfall zu identifizieren und diese systematisch zu erheben. Ein weiteres Kriterium ist die Messbarkeit der gestellten Aufgabe. Nur mit einem klar formulierten Ziel kann die KI versuchen, eine Lösung zu optimieren. Für die technische Umsetzbarkeit sind zudem die vorhandenen fachlichen Kompetenzen im Unternehmen relevant, ohne welche der Aufwand für Entwicklung und Betrieb rapide steigen kann. Zuletzt sollte die KI-Lösung gut in bestehende Systeme integrierbar sein. Auch für diese Achse haben wir fünf Fragen für Sie definiert, mit denen Sie die Data-Science Attraktivität eines KI-Anwendungsfalls einschätzen können:

Die Interpretation

Beim Gegenüberstellen der Achsen „Wirtschaftlicher Mehrwert“ und „Data-Science Attraktivität“ entsteht eine Matrix, mit vier möglichen Feldern: „Ignorieren“, „Nerd Stuff“, „Vorbereiten“ und „Umsetzen“. Abhängig davon, in welches Feld ein Anwendungsfall eingeordnet wird, unterscheidet sich die anschließende Interpretation.

Ignorieren – Ein Anwendungsfall ohne wirtschaftlichen Mehrwert und Data-Science Attraktivität sollte ignoriert werden.

Beispiel: Ihre KI-Anwendung soll voraussagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Mitarbeiterin in der Kantine versehentlich eine Kelle Nudeln zu viel auf Ihren Teller tut.

„Nerd Stuff“ – Mit hoher Data-Science Attraktivität, aber mangelndem wirtschaftlichen Mehrwert wird die resultierende Anwendung gut funktionieren, aber keinen wirtschaftlichen Mehrwert generieren.

Beispiel: Ihre KI-Anwendung soll aus historischen Wetterdaten vorhersagen, an welchen Tagen Ihre Mitarbeiter in kurzer Hose kommen werden. Die Datenlage hierzu ist auf Online-Plattformen üppig vorhanden. Dennoch liefert die Prognose keinen wirtschaftlichen Mehrwert.

Vorbereiten – Liefert ein Anwendungsfall wirtschaftlichen Mehrwert, hat aber eine niedrige Data-Science Attraktivität, gilt es, die Umsetzung vorzubereiten. Hierbei geht es darum, die nötige Infrastruktur für eine zukünftige Entwicklung zu schaffen (Daten erheben, strukturieren, auswerten, etc.).

Beispiel: Ihre KI-Anwendung soll individuelle Rückgewinnungsmaßnahmen für ehemalige Abonnenten vorschlagen. Derzeit fehlen in Ihrem Unternehmen aber aufbereitete Daten über Kündigungsgründe und wirksame Rückgewinnungs-Maßnahmen. Diese sollten fortan erfasst werden, bis eine kritische Größe an Datensätzen erreicht wurde.

Umsetzen – Ist ein Anwendungsfall sowohl wirtschaftlich als auch aus Data-Science Perspektive attraktiv, gilt es, Möglichkeiten zur schnellen Umsetzung zu finden.

Beispiel: Ihre KI-Anwendung soll vorhersagen, welche bestehenden Kunden Sie mit welchen bestehenden Produkten ansprechen sollten. Hierzu haben Sie eine große Datenbank mit Buchungshistorien und können direkt mit der Entwicklung eines Prototyps starten.

Spannend. Wie geht es jetzt weiter?

Downloaden Sie Ihr Exemplar der SCHICKLER KI-Matrix hier : [Link] . Drucken Sie sie größtmöglich aus, mindestens auf DIN A3. Hängen Sie die Matrix an einen prominenten Platz und fordern Sie Ihre Mitarbeiter auf, aktiv Anwendungsfälle zu eruieren und einzutragen. Gerne stehen wir Ihnen in der Zwischenzeit oder im Nachgang zur Diskussion als Sparringspartner zur Verfügung.

Der NOVA Innovation Award geht in die dritte Runde

Der BDZV und SCHICKLER suchen wieder die innovativsten Ideen der deutschen Verlagsbranche

Gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) prämiert SCHICKLER 2019 zum dritten Mal in Folge die herausragendsten Innovationen der deutschen Zeitungsverlage mit dem „NOVA – Innovation Award der deutschen Zeitungen“. Wie in den vorangegangenen Jahren werden hierbei Preise für „Produktinnovation“, „Vermarktungsinnovation“ und „Neues Geschäftsfeld“ vergeben.

„Die Branche befindet sich in einem kreativen Umbruch. Wir wollen Verlagen eine Plattform geben, Innovationen sichtbar zu machen und zu teilen. In den letzten drei Jahren haben über 50 Verlage teilgenommen und insgesamt eine dreistellige Anzahl an Innovationen eingereicht. Das zeigt, dass die Branche innovativ ist und die Plattform des NOVA Innovation Awards annimmt“, so Rolf-Dieter Lafrenz, geschäftsführender Partner bei SCHICKLER.

Die Bewerbungsphase läuft ab dieser Woche bis zum 17.05.2019. Auf dem BDZV-Zeitungskongress am 24.09.2019 prämieren eine Experten-Jury aus der Publisher- und Startup-Szene sowie Rolf-Dieter Lafrenz die besten Innovationen.

Mehr Informationen zum NOVA – Innovation Award erhalten Sie unter www.nova-award.de.

Kontakt: Daniel Lehmler, Tel. 0172-5486702, d.lehmler@schickler.de

Schickler zeigt auf: Wie die Blockchain deutsche Verlagshäuser unterstützen kann

Sie ist in aller Munde – und dennoch wird sie von den Wenigsten komplett durchdrungen – Blockchain. Im Zuge der Finanzkrise tauchte sie als Pendant zu dem aktuellen Geldsystem in Form der Digitalwährung Bitcoin auf. Über die folgenden Jahre reifte die Blockchain zu einer Plattform, in der Verträge zwischen Nutzern, ohne gegenseitige Vertrauensbasis lückenlos sicher geschlossen werden können. Grund genug sich der Frage zu widmen, was state-of-the-art Projekte der Blockchain für deutsche Verlagshäuser tun können.

Funktionsweise der Blockchain

Der Grundgedanke der Blockchain ist einfach. Eine Transaktion wird auf die zwei wesentlichen Akteure heruntergebrochen, wobei intermediäre Parteien entfallen. Beispielsweise beinhaltet eine einfache Bannerschaltung bei einem Digitalartikel eine Wertschöpfungskette mit Parteien wie Bannerherstellern, Agenturen oder Cyber-Security Firmen, welche alle ihren Teil vom Umsatz haben möchten. Dem Grundgedanken der Blockchain folgend müsste diese Bannerschaltung auf die zwei Protagonisten, namentlich Publisher und Werbeschaltenden, minimiert werden. Somit würden sowohl Transaktionskosten als auch Abwicklungsgeschwindigkeiten signifikant reduziert. Beschließen die zwei Parteien eine Transaktion, bspw. die Entscheidung des Werbetreibenden auf der Seite des Publishers einen Banner zu platzieren, wird sie in ein offenes Kassenbuch eingespeist und von anderen Nutzern verifiziert. Ist dieser Verifizierungsprozess abgeschlossen, wird ein neuer Block an die Datenkette gehängt und kann nicht rückgängig gemacht werden. Soviel zur Theorie, aber wie sieht das Ganze nun in der Praxis aus und was bietet der recht junge Blockchainmarkt aktuell?

Interessante Blockchain Projekte für Verlagshäuser

Blockchain im Werbemarkt

Die Technologie der Blockchain besitzt die Möglichkeit akute Herausforderungen für Online-Publisher zu lösen. Hierzu zählt bspw. die Ungewissheit über die Höhe der Werbeerlöse aus zukünftigen Artikeln. Die New York Interactive Advertising Exchange (NYIAX) ist eine Plattform mit dem Ziel, zukünftige Werbeverträge zu handeln. Das Blockchainbasierte Konzept greift hierzu auf Technologien der Nasdaq Börse zurück. Der Vorteil für Publisher liegt darin, zum aktuellen Zeitpunkt und garantierten Preisen, in Form eines Future-Vertrages, Werbeflächen verkaufen zu können, bei zeitgleicher Minimierung von dritten Profiteuren. Ziel der Plattform, die noch in den Kinderschuhen steckt, ist nach und nach über den Online Werbemarkt hinaus in Bereiche wie Print und Out of Home zu expandieren und eine Handelsbörse für zukünftige Werbeanzeigen auf allen Kanälen zu werden.

Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit der Bekämpfung des Onlinewerbebetrugs, bei dem Bots statt Menschen Traffic auf einem Banner generieren und somit jährliche Schäden von bis zu $16 Mrd. verursachen (Adloox). Die Lösung AdChain widmet sich mit einer eigenen Kryptowährung (sogenannte „coins“) dieser Problematik, indem sie ein Register einführt, bei dem die Teilnehmer incentiviert sind, Publisher auf ihre Legitimität und Reputation zu bewerten und auf einer Whitelist zu vermerken. Jeder Seitenbetreiber kann sich um einen Platz auf dieser Liste bewerben. In einem eigenen Ökosystem haben dann alle Teilnehmer die Möglichkeit, den Bewerber anzuzweifeln, also anzunehmen, dass dieser regelmäßigen Bot-Traffic generiert. In einem demokratischen Abstimmungsverfahren wird anschließend entschieden, welche Meinung überwiegt. Die mehrheitliche Meinung wird nach der Entscheidung in der besagten Kryptowährung vergütet. Im Ergebnis wird ein Whitelisting derer Websites erstellt, welche nach Meinung der Mehrheit seriöse Werbung ausspielen, die von echten Nutzern und keinen Bots angesehen wird.

Auch im Kampf gegen Adblocker bewegt sich etwas. Eines der führenden Projekte ist Brave: Gegründet von Brendan Eich, ehemaligem COO/CEO von Mozilla, versucht die Webbrowserlösung den Werbemarkt im Internet kundenfreundlicher zu gestalten und der zunehmenden Nutzung von Adblockern entgegenzuwirken. Analog zum Grundgedanken der Blockchain ist der Nutzer bei Brave Herr seiner Daten und wird dementsprechend auch an der Vergütung der Werbeeinahmen beteiligt. Hierbei wird die Kundenaufmerksamkeit quantifiziert und entsprechend aufgeteilt und ausgezahlt.  Im Gegenzug stellt Brave sicher, dass lediglich seriöse Werbung geschaltet wird. Durch diese Incentivierungsstruktur erhält der Kunde einen Anreiz, sich gegen die Nutzung eines Adblockers zu entscheiden, da er an jeder von ihm gesehenen Werbung mitverdient.

Blockchain für effizientere Paid-Content Strategien

Bezahlmodelle in Paid-Content können unterschiedliche Strukturen annehmen – von Jahresabonnements zu Tageszugängen – haben Bezahlschranken ihren Weg in das Portfolio von Medienhäusern gefunden. Insbesondere bei Fixed Fee Modellen gibt es allerdings die Herausforderung, dass mit sinkender Transaktionsgröße die durchschnittlichen Margen abnehmen, da die Transaktionskosten einen größeren Anteil am Gesamtbetrag einnehmen. Hier kann die Blockchain helfen: Durch Micropaymentmodelle, die einen Bruchteil der Kosten bestehender Transaktionskosten ausmachen, können Medienhäuser ihre Produkte noch zielgerichteter, kosteneffizienter und profitabler verkaufen. Ein namhafter Vertreter dieses Ansatzes ist Satoshipay. Hier kann der Publisher die Bezahlstruktur beliebig granular gestalten. Beispielsweise könnte ein Text, der ursprünglich einen Euro kostet, gedrittelt werden und mit einer linearen Steigerung pro Drittel vergütet werden. Oder noch extremer, könnten Paymentmodelle auf Zeilenbasis eingeführt werden. Somit würden jene Leser, die den Artikel wirklich lesen, mehr zahlen und die Leser, die sich zu Beginn des Artikels anders entscheiden, entlastet werden. Darüber hinaus sind die Transaktionskosten, die hierdurch entstehen weitaus geringer als über den herkömmlichen Bankenprozess.

Unsere Empfehlung

Ob die Blockchain ihren Weg in das Tagesgeschäft von Verlagshäusern findet oder nicht, wird die Zeit zeigen. Nichtsdestotrotz zeigt sie uns wieder einmal die gnadenlose Geschwindigkeit, mit der Innovationen im digitalen Zeitalter vorangetrieben werden. Während Medienunternehmen noch vollumfänglich mit der Digitalisierung des eigenen Angebots beschäftigt sind, werden in den Denkzentren dieser Welt schon neue Ideen ausgeklügelt, die disruptiv für bestehende Modelle sein werden. Folglich sind Medienunternehmen gut damit beraten, sich möglichst agil für die Zukunft aufzustellen und mindestens mit einem Auge die aktuellen Entwicklungen weiterzuverfolgen.

Fairfax Media oder was deutsche Verlage aus Down Under lernen können

Denken Sie an einen Verlag, der erfolgreich am digitalen Wandel partizipiert. Vermutlich kommt Ihnen einer der großen deutschen Player in den Sinn – Axel Springer oder Burda. Doch was passiert eigentlich außerhalb des eigenen Umfelds, bspw. in Ländern fernab des atlantischen Ozeans?

Mit Blick nach Australien und Neuseeland würde Ihnen ziemlich sicher Fairfax Media über den Weg laufen. Es ist das zweitgrößte australische Medienunternehmen direkt nach Murdochs News Corp Australia. Im Grunde hat Fairfax Media viel mit deutschen Verlagen gemein: sinkende Erlöse aus dem klassischen Verlagsgeschäft setzen eine hohe Kostendisziplin voraus und haben in den letzten Jahren zu schmerzhaften Einschnitten geführt. Im Fall von Fairfax Media sind auch die Aktionäre betroffen: der Preis pro Aktie fiel von seinem Hoch im Jahr 2000 mit 6,10 AU$ um über 95% bis 2012 und pendelte sich seitdem bei etwa 0,8 AU$ ein. Das Platzen der Blase Anfang der 2000er Jahre hat Spuren hinterlassen – auch das kennt man aus Deutschland.

Umso konsequenter hat Fairfax Media auf die digitale Transformation reagiert und seinen Weg bereits früh auf „digital first, print second“ ausgerichtet. Auch wenn realistisch betrachtet Print-Umsätze auch in den nächsten Jahren noch einen hohen Stellenwert einnehmen, ist die Handschrift der Neuausrichtung klar erkennbar. Bis 2016/2017 konnte der Anteil der digitalen Umsätze bei einem Gesamtumsatz von 1,7 Mrd. AU$ auf 25% gesteigert werden – zudem lieferte das Digitalgeschäft im Geschäftsjahr 2015/2016 bereits rund 40% des EBITDA-Beitrags. Die 2013 eingeführte Paywall bei den hauseigenen Flaggschiffen The Sydney Morning Herald, The Age und The Australien Financial Review hatte hierbei maßgeblich Einfluss auf die Entwicklung der digitalen Erlöse. Mit insgesamt rund 236 Tsd. Digital-Abos der drei größten nationalen Zeitungen im Portfolio konnte das starke Wachstum der letzten Jahre beibehalten werden (in 2016/2017: +21%).

Schaut man sich jedoch einmal die verschiedenen Aktivitäten von Fairfax Media an, ist zu erkennen, dass die Summe der digitalen Aktivitäten ausschlaggebend für einen nachhaltigen Erfolg ist. Das Portfolio von Fairfax Media umfasst heute Aktivitäten in den Bereichen „Information / Publishing“, „Marketplaces“ und „Entertainment / Digital“. Treibende Kraft hierbei ist das Netzwerk der Online-Immobilienplattformen unter dem Dach der Domain Group (Bereich: Marketplaces). Alleine in den letzten drei Jahren investierte Fairfax Media 175 Mio. AU$ in das Wachstum der Gruppe. Heute reiht sie sich hinter der REA Group als zweitgrößtes Immobiliennetzwerk Australiens ein. Um mit frischem Kapital weiter zu expandieren plant Fairfax Media einen spin-off der Domain Group, bei dem sie weiterhin mehrheitlich beteiligt bleiben. Mit rund 20% Umsatzanteil bzw. 40% EBIT-Anteil nimmt die Domain Group bereits heute innerhalb von Fairfax Media eine bedeutende Stellung ein.

Insgesamt operiert Fairfax Media mit über 36 digitalen Geschäftsmodellen am Markt – die meisten hiervon gebündelt in der Fairfax Media Digital Ventures. Schwerpunkte sind hierbei Content-und Immobilien-Portale sowie Investitionen im Bereich e-health, Online-Bildung und Wetter-Service. Als Herzstück dieser Digitalisierungsbemühungen sieht Fairfax Media jedoch ihre „subscription video on demand“ (SVOD) Plattform Stan, die als Joint Venture betrieben wird. Im Jahr 2015 startete man sein Programm wenige Monate vor Netflix. Mit aktuell knapp einer Millionen Abonnenten erfreute sich der SVOD-Dienst an einem starken Umsatzwachstum (+150%). Fairfax Media baut auf die Vorteile ihres frühen Markteintritts, exklusiven Deals mit amerikanischen Studios (bspw. Showtime) und setzt in hohem Maße auf australische Eigenproduktionen.

Die unterschiedlichen Aktivitäten unterstreichen, dass Fairfax Media sich bereits auf der zweiten Welle der digitalen Transformation befindet: die Grundlagen im Publishing-Bereich sind gelegt und man versteht sich als digitales Powerhouse, das weiterhin auf seine Kernkompetenzen setzt und gezielt mit diversifizierten Geschäftsmodellen in neue Marktlücken vorstoßen möchte. Hierbei werden in allen Segmenten attraktive EBITDA-Margen erzielt (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Übersicht EBITDA-Marge Fairfax Media Portfolio-Segmente im Geschäftsjahr 2016/2017; eigene Darstellung

 

Was können deutsche Verlage von Fairfax lernen?

Die strukturellen Herausforderungen sind in Australien im Vergleich zum deutschen Markt ähnlich und erfordern, dass traditionelle Geschäftsmodelle neu gedacht werden müssen. Am Beispiel von Fairfax Media zeigt sich, dass die digitale Transformation kein einmaliger Prozess ist, sondern iterative, nicht abschließende Anstrengungen erfordert und dabei das Kerngeschäft nicht vernachlässigt werden sollte. Durch die konsequente digitale Transformation des Publishing-Bereichs hat sich Fairfax Media in einem schwierigen Marktumfeld neue Spielräume für die weitergehende Diversifizierung erarbeitet. Gleichzeitig wird durch ein aktives Portfolio-Management nachhaltiger Wert geschaffen. Durch vielschichtige Investitionen sowohl horizontal als auch vertikal erscheint Fairfax Media heute breiter aufgestellt denn je. Ob dies reicht, um in einigen Bereichen die Vorreiterrolle bei digitalen Geschäftsmodellen durch neue Aktivitäten auszubauen wird sich zeigen. Die Basis hierzu hat Fairfax Media jedoch gelegt.