In der digitalen Community ist schon seit Jahren unbestritten, dass die Megatrends mobile und e-commerce allein schon nicht aufzuhalten sind – und erst recht nicht in ihrer Kombination des mobile commerce. Digitalen Skeptikern, die die Romantik des samstäglichen Einkaufsbummels in der Innenstadt predigen, empfehle ich dringend die Studien von Evans und K5 (excitingcommerce). Jochen Kirsch von excitingcommerce.de schätzt, dass sich das e-commerce Marktvolumen in Deutschland von etwa 50 Mrd. Euro in 2014 auf über 100 Mrd. Euro in 2020 verdoppeln wird.

In diesem Blogbeitrag soll jedoch nicht die Transformation des Handels im Vordergrund stehen. Vielmehr interessiert mich die Frage, welche Auswirkungen der mobile commerce auf andere Branchen hat. Und welche neuen Chancen und Risiken daraus entstehen.

Die erste Branche, die eher die Risiken sehen wird, sind die klassischen Medien. Durchschnittlich geben Händler 2,5% ihres Umsatzes für Marketing aus . Die Hälfte dieses Budgets wird für gedruckte Handelswerbung und Anzeigen ausgegeben. Unter den Top 20 werbungstreibenden Händlern Deutschlands befinden sich viele Lebensmittel-Discouter, aber auch klassische Handelsunternehmen wie die Media-Saturn-Holding (Platz 1), Galeria Kaufhof (Platz 11), Euronics (Platz 13), Karstadt (Platz 14) und EP Electronic Partner (Platz 17) . Man braucht kein Prophet zu sein für die Annahme, dass diese Werbebudgets in den kommenden 5-10 Jahren nicht mehr in voller Höhe in klassische Medien gehen werden. Profitieren werden mobile networks, die in der Lage sind, großflächige Abverkaufskampagnen über mobile Endgeräte auszusteuern, und zwar POS optimiert. Aktuell gibt es kein deutsches Medienunternehmen, das eine solche Kampagne durchführen könnte. Will man diesen Markt nicht Google und Facebook überlassen, liegt hier ein riesiges Marktpotenzial (Link zu meinem vorherigen Blog zu diesem Thema). Natürlich hoffen die Logistikanbieter auf einen größeren Kuchen. So rechnet DHL damit, dass die Anzahl der Pakete pro Kopf von 12 (2012) auf 24 (2018) verdoppeln wird. Doch ich bezweifle, dass der wachsende Kuchen vollständig an DHL & Co. geht. Sharing-Konzepte in der Nah-Logistik werden ihnen das Geschäft streitig machen. Beispiele sind uber cargo, cargomatic, buddytruk, traansmission, onemorepallet. Neben den Medien ist also die Logistikbranche das nächste Feld der Transmission.

Aber auch die Innenstädte werden sich wandeln müssen. Schon jetzt ist zu beobachten, dass die Zahl der Ladengeschäfte in Klein- und Mittelstädten zurückgeht. 57% der Einzelhändler berichten von sinkenden Kundenfrequenzen in den Innenstädten. Der Trend wird sich verschärfen, wenn die Deutschen bis 2020 etwa 50 Mrd. Euro weniger im Einzelhandel ausgeben als heute. Wahrscheinlich werden sich die Innenstädte von Einkaufs- zu Eventlokationen wandeln. Gastronomie- und Unterhaltungskonzepte werden wachsen, die Menschen werden ihre Freizeit in den Städten verbringen statt dort einzukaufen. Fazit: Der Einzelhandel ist mit einem Marktvolumen von über 450 Mrd. Euro eine Mega-Branche in Deutschland. Wenn sich der Handel durch mobile commerce massiv verändert, hat dies in der Konsequenz große Auswirkungen auf die angrenzenden Branchen. Die klassischen Medien als Werbepartner des Handels, die Paketlogistik als Profiteur vom e-Commerce und die Innenstädte als „Flächen-Partner“ des Einzelhandels sind wichtige, aber nur einzelne Beispiele. Es werden viele neue Geschäftsmodelle rund um den e-Commerce entstehen, die von diesem Wandel profitieren werden.