Newsreader wie Feedly haben die Nutzung der Medien stark verändert: Statt die einzelnen Webseiten der Medien zu besuchen, können Nutzer bestimmte Inhalte individuell abonniert und in aggregierter Form lesen. Was interessant ist, wird angeklickt. Nur dann begibt man sich auf die Webseite des Publishers und erst dann kann ein Publisher über Werbeinhalte Erlöse generieren.

Auch Facebook hat sich immer mehr zu einem integrierten Newsreader entwickelt. Ein Großteil der Digital-Natives nutzt die Timeline wie einen Newsreader – und springt auf die Webseite des Publishers ab, wenn ein Inhalt spannend erscheint. Das will Facebook in Zukunft verhindern und die Nutzer länger auf seiner Plattform halten.

Instant Articles heißt die Lösung des Netzwerks, die die Nutzer verstärkt auf der eigenen Plattform halten soll. Die Idee ist einfach: Statt wie bisher Links zu Inhalten des Publishers auf Facebook zu posten, werden die Inhalte direkt in Facebook eingebunden. Dass Publisher sich nicht unbedingt darum reißen, ihre Inhalte direkt auf Facebook einzubinden, ist auch Facebook klar. Daher gibt es eine Gegenleistung: Geld. Facebook beteiligt Publisher an den Werbeeinnahmen, die über die eingebundenen Inhalt auf Facebook generiert werden. Durch den Publisher selbst vermarktete Werbeerlöse verbleiben vollständig beim Publisher. Bei durch Facebook vermarkteter Werbung erhält der Publisher 30% der Erlöse. Ein durchaus interessantes Angebot für die Publisher, denn es entstehen keine zusätzlichen Kosten (außer möglicherweise für die Administration / Aussteuerung der Artikel), da die Inhalte nicht extra für Facebook erstellt werden, sondern auf Facebook als zusätzlicher Plattform ausgespielt werden.

Was auf den ersten Blick unscheinbar daher kommt, kann einen radikalen Einfluss auf die Mediennutzung haben. Die Facebook-Nutzer werden sich daran gewöhnen, Inhalte auf Facebook vollständig zu konsumieren – ohne zu den Webseiten der Publisher abzuspringen. Einmal gewöhnt, wird es schwierig sein, die Nutzer auf die eigene Plattform des Publisher zu locken. Publisher, die sich jedoch gegen die Kooperation mit Facebook entscheiden, werden einen Wettbewerbsnachteil haben: die Nutzer werden präferiert Inhalte konsumieren, die auf Facebook in ihrer Timeline vollständig verfügbar sind.

Angeblich ist Facebook bereits in Verhandlungen mit der New York Times und National Geographic und plant Instant Articles schon in Kürze zu starten. Man darf gespannt sein, welchen Einfluss dies auf die Nutzung der Inhalte haben wird – und wie sich die Publisher entscheiden: für oder gegen Facebook als ihre zusätzliche Medienplattform.

Edit (15.07.2015): Bild.de hat einen ersten Instant Article veröffentlicht. Die W&V berichtet eher kritisch darüber.