Abseits der Letzten Meile: Logistik-Geschäftsmodelle

Das Mindestlohngesetz wirkte als entscheidender Katalysator. Die Verlagslogistik befindet sich im Umbruch. Besonders auf der „Letzten Meile“ verändert sich viel. Das ist die Strecke, die der Zusteller von der Abladestelle bis zur Zustellung des letzten Objekts in seinem Bezirk zurücklegt (s. SCHICKLER KOMPAKT).

Doch auch abseits der Letzten Meile tut sich derzeit eine Menge. Verlage entdecken die Logistik, um die Beziehungen zu ihren Bestandskunden auszubauen und gleichsam neue Kunden zu generieren. In einem kurzen Überblick zeigen wir hier verschiedene Ansätze, die wir derzeit auch in unseren Projekten diskutieren. Im Fokus stehen dabei die Themen Mobilität, Fulfillment und Planungsdienstleistungen.

Mobilität

In Sachen Mobilität sind die Verlage in Sachsen ganz vorne am Start. Bereits seit fünf Jahren ist die DD+V Mediengruppe Mehrheitseigner an 8mal8. Der Chauffeur-Service aus Dresden kutschiert Privat- und Geschäftskunden mit hochwertigen Fahrzeugen zu ihrem Ziel. Die Kunden müssen jede Fahrt vorab bestellen – so sieht es das Personenbeförderungsgesetz vor. Das unterscheidet den Chauffeur-Dienst vom klassischen Taxi. Ordern können die Kunden den Dienst unter anderem per App. Wie auch bei den folgenden Angeboten.

Eine weitere Lösung hat die DD+V-Mediengruppe für Zweiradfahrer parat. Die Sächsische Zeitung betreibt das Fahrradleihsystem sz-bike. Das Besondere daran: Das Konzept ist im Stadtkern nahezu uneingeschränkt free floating. Das bedeutet, Kunden können die Räder an jeder öffentlich einsehbaren Straßenkreuzung ausleihen und wieder abstellen. Lediglich wenn sie die Räder außerhalb des Kerngebiets nutzen möchten, sind sie an die Abgabestationen gebunden. Betreiber des Services ist nextbike aus Leipzig.

Ebenfalls Leipzig: Hier wagt die Verlagsgruppe Madsack als erste ihrer Art den Schritt ins Ride-Sharing. Das ist so etwas wie die Mitfahrzentrale 2.0. Ein System bündelt Fahrgäste mit ähnlichen Routen. Sie teilen nicht nur das Fahrzeug, sondern auch die Kosten. Das schont die Umwelt gleich doppelt, denn der Fahrdienst CleverShuttle ist ausschließlich mit Elektrofahrzeugen unterwegs. Im Spätsommer 2017 hat Madsack die Mehrheit an CleverShuttle übernommen. Das StartUp aus Berlin finanzieren u.a. die Deutsche Bahn und Daimler.

Fulfillment

Der E-Commerce-Umsatz mit Waren entwickelt sich in Deutschland rasant. Die Wachstumsraten liegen klar im zweistelligen Bereich. Händler, die davon profitieren wollen, benötigen Lösungen, um die Warenströme des Online-Handels abzuwickeln. Die Nordkurier Mediengruppe aus Neubrandenburg (mit EUROTAPE) und die Augsburger Mediengruppe Pressedruck (mit MIMO) haben sich in diesem Feld bereits positioniert. Warehousing, Zusammenstellung und Verpackung von Waren, Versand und Retourenmanagement sind die Kernleistungen beider Unternehmen. Lettershop-, Pre- und After-Sales-Dienstleistungen runden das Angebot ab.

Gemeinsam mit Online-Shop-Lösungen für den Einzelhandel ist das Fulfillment ein wichtiges Puzzleteil, das die Bindung zu den bedeutenden regionalen Werbekunden stärkt.

Planungsdienstleistungen

Die Veränderungen im Bereich Letzte Meile betreffen natürlich auch die Planer. Wegen der Mehrkosten durch den Mindestlohn müssen die Verlage ihre Strukturen im Bereich Logistik bis ins letzte Detail optimieren. Und zwar immer wieder neu, weil sich die Mengengerüste der Zustellung verändern. Genauer gesagt: Die Wege und Wegzeiten aller Boten, Fahrer und Fahrzeuge müssen möglichst kostenoptimal sein. Das funktioniert nur mit spezieller Software. Die besten Ergebnisse in der Optimierung erzielen diejenigen, die bereits ein herausragendes Knowhow entwickeln konnten – nämlich die „großen“ Verlage und Verlagsgruppen. Sie erbringen sogar schon erste Planungsdienstleistungen für Fremdverlage – auch wenn sie diesen Service noch nicht offensiv vermarkten.

Wie das funktioniert? Sie übergeben die Zustelladressen, ein Planungssystem importiert sie und bereitet sie – wo nötig – nach. Genauer gesagt: Die Adressen werden geocodiert, damit das System sie lesen kann. Dann erfolgt die softwaregestützte Optimierung der Bezirke. Hier ist mehr als ein „Knopfdruck“ erforderlich: Um optimale Bezirksstrukturen für Zeiten und Wege zu erstellen, bedarf es oft mehrerer Iterationen zwischen System und Planer. Das Ergebnis der Optimierung geht dann wieder an den Auftraggeber, der es in sein Vertriebssystem importieren kann.

Ausschlaggebend für einen erfolgreichen Prozess sind das Knowhow der Planer und der Zugriff auf ein leistungsfähiges System. Die Erfahrung zeigt: Verlage, die sich die Investitionen in beides sparen möchten, sind meist besser beraten, für die Bezirksoptimierung Experten zu beauftragen als die Bezirke mit einfachen Bordmitteln „nebenbei“ zu optimieren.

Zustellung nach dem Mindestlohn: „Letzte Meile“ im Fokus

Der Mindestlohn hat die Zeitungslogistik in ein neues Zeitalter befördert: Der Einsatz von Geo-Informations-Systemen, die Zustellbezirke optimal zuschneiden, ist eine Selbstverständlichkeit. Zeitlohn hat zumeist den Stücklohn ersetzt – die neuen Lohnmodelle wurden in neuen Arbeitsverträgen dokumentiert und für die Lohnabrechnung programmiert.

Also Zeit zum Durchatmen? Leider nein. Das strategische Dilemma, in dem sich Verlage befinden, bleibt unverändert: der Auflagenrückgang der Tageszeitung führt unweigerlich zu höheren Stückkosten – sofern man nicht entgegensteuert.

Über die Möglichkeiten, wie Verlage die Kosten auf der Letzten Meile optimieren und um Neugeschäft ergänzen können, berichten wir in unserem aktuellen SCHICKLER KOMPAKT. Wenn Sie Interesse daran haben, kontaktieren Sie uns gerne unter presse@schickler.de.