Google definiert das Alphabet

Google definiert das Alphabet

 

Kill your Darlings

Recherche und Konzept: Anna Budich

Wir wissen es alle: vier verschiedene Buchstaben sind für den weltweit größten Internet-Konzern Google lange nicht mehr genug. Das machten die beiden Gründer des Unternehmens, Larry Page und Sergey Brin,  deutlich, als sie die laufende Umstrukturierung von Google konkretisierten:

Die Alphabet Inc. Holding- Gesellschaft soll die inzwischen immense Diversifikation der ehemaligen Suchmaschine mit Anzeigenhandel beheimaten, vermarkten und ein neues und frisches Bewusstsein der Firma transportieren. Der Gigant Google hat mittlerweile auch in vielen anderen Märkten Fahrt aufgenommen:

  • Google Nest dient als Device der Smart Home Branche
  • Google Plus als Soziales Netzwerk
  • Google Wallet mischt die Finanzmärkte auf
  • Und dann gibt es ja noch Google Glasses, Google Cars, Google Phones, Google NewsLab, Google Protect, Google Compare…
  • Life Sciences………………….den Rest kann man Googeln.

Und genau das ist der Grund für die Gründung der neuen Holding-Firma Alphabet Inc. Google ist und bleibt DIE SUCHMASCHINE in den Köpfen ihrer Konsumenten (und in ihrer Sprache). Jene eine Gemeinsamkeit, die alle genannten Produkte zu haben – das Google im Namen – ist in der Vergangenheit das ein oder andere Mal zum Verhängnis geworden. Es scheint als hätte das Google vor dem Nest, Plus und Phone den Durchbruch gehemmt. Und so ist Alphabet nichts weiter als eine logische Konsequenz auf dem Weg zur erfolgreichen Rekonfiguration einer Marke; und gleichzeitig eine Antizipation künftiger threads und Chancen.

Auch wenn sich jeder vorstellen kann wie schwierig es ist, das Kill-Your-Darlings-Prinzip anzuwenden, so besteht die Hoffnung, dass dieser Schritt nun frischen Wind und ein wenig notwendige Ordnung in den Google-Kosmos bringt. Chaos, Nerds, Brillen und die bunte „Googlyness“ standen für die ersten Jahre des Konzerns. Finanzmärkte, Regulierung, Politik und harter Wettbewerb prägen die nächsten Jahrzehnte!

Die saubere Trennlinie zwischen dem Suchmaschinenbetrieb, der unter der Leitung von Page´s Stellvertreter Sundar Pichai bestehen bleibt,  und den Experimenten in Branchen wie Automotive, Versicherungen und Pharmaindustrie wird der Bilanz des Konzerns zu einer klareren Struktur verhelfen. Deshalb begrüßt auch die Wallstreet diese Ankündigung mit steigenden Aktienkursen als direkte nachbörsliche Reaktion von 6%, einer Geldspritze für weitere Revolutionen. Denn Google ist in Zukunft einfach eine von vielen Marken. Zumal die Amerikaner ohnehin mehrheitlich dafür waren, dass Suchmaschinen getrennt von anderen Industrien anzuführen sind.

Avoid the Microsoft mistake

Hierzulande begegnen wir den Nachrichten der letzten Woche allerdings eher mit gesunder, europäischer Skepsis und dem unvermeidlichen Schuss „Deutscher datenangst“. Wir finden noch immer, dass Macht Verantwortung mit sich bringt – und dass Monopole wie Microsoft und Google gefährlich sind, wenn sie sich mit all ihrem Wissen über die Nutzer immer mehr Macht verschaffen. Und dieser Skepsis verleihen wir immer wieder Ausdruck. So kam es zum Beispiel, dass Microsoft inzwischen mehrmals von der Europäischen Union mit hohen Kartellstrafen belangt worden ist. Wegen Auflagenverstößen wanderten bereits rund 778 Millionen Euro Bußgeldzahlungen in die Europäische Kasse. Auch Google ist schon lange unter Druck: Leistungsschutzrechtler spekulieren bereits jetzt darüber, wogegen die Töchter des neuen Mutterschiffs Alphabet in Zukunft als erste verstoßen werden. Doch wie das immer so ist bei Spekulationen: sie werden von der Realität übertroffen. Genial an Google war bisher, dass der Gigant erst einen Markt aufgebaut hat, um ihn dann fast ganz zu beherrschen: Suche, Karten, Mobile, Preisvergleiche, Ad-Sales und Reisen. Jetzt kommen die weiter von der reinen Suche entfernten Märkte dran, die durch Technologie und einen sehr langen Atem leicht zu erobern sind, weil sie dem „Nokia-Schlaf“ verfallen sind. Wehe dem, dem der glaubt sicher zu sein in seinem Business…….

Die Uhr tickt: be „google-proof“

Ein Fazit lässt sich  schon zum jetzigen Zeitpunkt ziehen:

Aus unternehmerischer Perspektive  wurde es dringend Zeit auf die Misserfolge zu reagieren und etwas zu tun. Deswegen hat Google mit Alphabet Inc. eine längst überfällige Strategieentscheidung getroffen. Die Neuordnung des Konzerns ist mehr als eine Reaktion: sie ist Antizipation der Zukunft, die die Finanzmärkte bereits jetzt einpreisen; sie ist die Einführung einer neuen Denkweise eines ohnehin schon für disruptive Gedanken und Geschäftsmodelle bekannten Unternehmens. Was bedeutet das für für den „Rest“ der digitalen Welt? Strategische Überprüfung der Unternehmungen!!! Und ja: es wird Zeit für einen Stresstest der Geschäftsmodelle! Was ist wenn Google Ihr Geschäft betreibt? Wie „google-fest“ ist IHR Business?

Dabei sein ist nicht alles – harter Wettbewerb um TV-Sportrechte

Dabei sein ist nicht alles – harter Wettbewerb um TV-Sportrechte

Recherche und Konzept: Florian Huschitt

War früher wirklich alles besser? 2018 werden wir es wissen – ggf. auch schon früher.

Über viele Jahre war eine komplette und umfassende Berichterstattung von Sport-Großereignissen in den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern für deutsche TV Zuschauer selbstverständlich. Gleichzeitig haben sich private TV-Sender regelmäßig beschwert, dass sie nicht gegen die finanzielle Macht der gebührenfinanzierten Sender ARD und ZDF ankommen. Die Quoten der RTL- oder Pro7-Gruppe zum Zeitpunkt olympischer Sommerspiele oder einer Fußball-WM waren weder für Programmveranstalter noch Werbekunden ein Grund zur Freude.

Mit der exklusiven TV-Rechtevergabe des IOCs für die Olympischen Spiele 2018-2024 an Discovery Communications wendet sich das Blatt. Doch was bedeutet das für den Zuschauer und den Werbemarkt?

Exklusivität über alle Plattformen – ein Novum

Ende Juni 2015 hat sich der TV-Konzern Discovery Communications, zu dem seit letztem Jahr auch Eurosport gehört, die europäischen TV-Rechte für die Olympischen Spiele 2018-2014 für die Summe von 1,3 Mrd. Euro gesichert. Die Rechte umfassen alle Plattformen exklusiv: Free-TV, Pay-TV, Online und Mobile. ARD und ZDF, die ebenfalls ihr Angebot für die Rechte abgaben und wahrscheinlich davon ausgingen, eine gute Chance für den Zuschlag zu haben, gingen bei dem Deal zur eigenen Überraschung leer aus.

Dieser Deal bietet neue Potenziale der kommerziellen Vermarktung, denn die Sender der Discovery Familie unterliegen nicht den strengen Werberestriktionen der öffentlich-rechtlichen Sender (insb. kein Werbeverbot nach 20 Uhr). Discovery will zudem einen eigenen Olympiakanal schaffen, der auch außerhalb der Spiele rund um die Uhr Bewegtbild zum Thema Olympia zeigt. Hierzu erhält Discovery Zugang zum gesamten IOC-Archiv.

Die Reaktionen aus dem Werbeumfeld sind positiv: neben dem vergrößerten Werbeumfeld sind Werbeverträge langfristig und crossmedial aus einer Hand realisierbar. Außerdem kann durch die plattformübergreifende Vermarktung flexibel auf das sich ändernde Nutzungsverhalten reagiert werden: Denn wer weiß heute schon, welches Nutzungsszenario für die Olympischen Spiele 2024 in den einzelnen Zielgruppen vorherrschend sein wird?

Der Split, welche Inhalte im Free- bzw. im Pay-TV zu sehen sein werden und auf welchen Sendern ausgestrahlt wird, ist noch unklar. Discovery muss sich zwar an rechtliche Vorgaben halten (z.B. 200 Std. der Sommerspiele im Free-TV), verfügt aber dank der Konzernstruktur sowohl über Free-TV Sender als auch über Pay-TV Sender. Der Streaming Service des Konzerns „Dplay“ soll kurzfristig europaweit ausgerollt werden.

Sublizensierung als Hoffnungsschimmer

Discovery­-CEO David Zaslav verkündete dennoch Gesprächsbereitschaft für alle Sender zum Thema Sublizenzierung und Partnerschaften. Hierzu IOC-Präsident Thomas Bach: „Discovery ist jetzt der Gate-Keeper für die Rechte […] Zum ersten Mal hat ein einziges Medienhaus alle Olympia-Rechte für Europa erworben. […] Wir freuen uns auf eine neue Ära der olympischen TV-Übertragung in Europa.“

Für ARD und ZDF ist also noch nicht alles verloren. Aber abhängig vom Business Case des Wettbewerbers zu sein und die Refinanzierung des Deals zu unterstützen entspricht sicher nicht ihrem Selbstverständnis.

Für den deutschen Markt hochwertiger TV-Sportrechte ist auch die Signalwirkung für die in 2016 anstehende Vergabe der Bundesligarechte spannend. Nach der Vergabe erster Qualifikationsspiele zu EM 2016 sowie WM 2018 an RTL werden zukünftige Entscheidungen noch stärker unter Beobachtung stehen. Britische Verhältnisse sind sicher nicht das, was sich öffentlich-rechtliche Anbieter wünschen. Und auch die privaten deutschen Sendergruppen müssen aufmerksam beobachten, wie konsequent internationale Medienkonzerne agieren.

Neuro-Marketing: Hey Du, ja, genau DU… Wie persönlich wird die Customer Experience?

Neuro-Marketing: Hey Du, ja, genau DU… Wie persönlich wird die Customer Experience?

Neulich diskutierten wir in einem Workshop mit dem Customer Experience-Experten Adrian Amariei die Frage, was passiert, wenn «Predictive Analytics», «Web-Mining» und «Neuro-Marketing» zusammenkommen, wenn also der einzelne Kunde genau die Botschaft bekommt, die ihn genau jetzt aufgrund seiner persönlichen Situation und seiner persönlichen Vorlieben ganz intuitiv anspricht.

Die Antwort war erstaunlich:

Die kognitive Personalisierung der Kundenbeziehung kann einen Relevanz-Schub beim Kunden auslösen, quasi ein „Oh, ich bin gemeint!“. Kundenansprachen, die nicht den persönlichen Erwartungen entsprechen („irrelevant“, „inconvenient“, „not trust-worthy“), stellen aus Marketing-Sicht zumindest eine Verschwendung von Ressourcen dar. Und das drückt sich auch in Zahlen aus: Ein Umsatzpotential von jährlich 83 Mrd. US$ weltweit wird aufgrund unzureichender Customer Experience laut IBM’s Global Survey of Marketers nicht realisiert.

Das kennen wir als Online-Shopper aus unserer täglichen Erfahrung: Ads für die Urlaubsdestination NACH dem Urlaub lassen einen vielleicht in schönen Erinnerungen schwelgen, gleichzeitig rufen sie zumindest Kopfschütteln hervor und belasten die Kundenbeziehung zwischen Reisendem und Unternehmen im schlimmsten Fall nachhaltig. Die Rückwärtsgewandheit der Online-Werbung kann Einen ärgern – inspirierend ist sie definitiv nicht.

Schlimmer noch als der unpassende Inhalt ist aber die unpassende Form. Neurologische Untersuchungen zeigen, dass unser Gehirn auf generische Botschaften, also Formulierungen für eine größere Gruppe, unbewusst völlig indifferent reagiert. Durch den Einsatz neurokognitiver Methoden erhofft man sich einen direkteren und effektiveren Zugang zum menschlichen Gehirn.

In Messungen von Gehirnaktivitäten an Probanden mit funktioneller Magnetresonanztomografie (kurz fMRT) kann sehr plastisch nachgewiesen werden, dass eine generisch formulierte Marketingbotschaft das Gehirn nur minimal anregt. Wird die Botschaft jedoch angereichert mit persönlichen Stimulatoren, sogenannten kognitiven Verankerungen, startet ein Feuerwerk im Hypothalamus.

Indifferenz

Indifferenz: „bla, bla, bla …“ – keine kognitive Reaktion

Relevanz

Relevanz: „Oh! Ah! Ich!“ – Emotion (rechts in Rot) und Langzeitgedächtnis

Die kognitiv personalisierte Botschaft kommt an, wird in verschiedenen Bereichen des Gehirns verarbeitet und zudem noch im Langzeitgedächtnis als etwas sehr Positives abgespeichert. Material für diese kognitive Verankerung findet sich im Netz und im eigenen CRM-System zur Genüge:

facebook, twitter, linkedin und Co. sowie eingehende eMails und Calls des Kunden geben für jeden web-affinen Kunden Hinweise auf Präferenzen, Communities, where-abouts etc. und machen die individualisierte Ansprache somit leichter denn je.

Die Zutaten für eine extrem relevante – ja fast schon intime – Customer Experience sind längst alle vorhanden. Das Netz weiß, dass Du – ja genau Du! – jeden Donnerstag mit den Jungs einen Pokerabend veranstaltest, dass Du Dich gerne über Deine Gladiolen im Garten mit anderen Hobbygärtnern austauscht und wie dieses Jahr Dein Urlaub in Griechenland war. Hast Du auch Dein Cabrio zugemacht? In 2 Stunden kommt der Wolkenbruch bei Euch an …

Jede Botschaft an eine selektierte Kundengruppe hat eine gewisse Wahrscheinlichkeit für die Individuen relevant zu sein – sagen wir 60% Wahrscheinlichkeit pro Kunde. Damit generiert sie automatisch auch einen hohen Anteil Indifferenz und einen nicht unerheblichen Anteil von Ablehnung als eine Art von «Spam» durch diejenigen Kunden, die sich nicht angesprochen fühlen. Wir erinnern uns an den bereits angesprochenen „Nerv-Faktor“.

Ziel des personalisierten Neuro-Marketing hingegen ist eine Relevanzquote von 100% für genau eine Person zu erreichen – und das auch noch mit einer positiven Botschaft.

Ist das realistisch?

Ja, die Technologie ist bereits vorhanden. Über eine beliebig erweiterbare Anzahl von Workflows können personalisierte Micro-Kampagnen event-getriggert ausgelöst und gesteuert werden. Relevante Begriffe für die kognitive Verankerung wird aus einem web-mining-Tool gesammelt, selektiert und in den Workflow integriert. Eine Orchestrierung über alle involvierten Kundenschnittstellen muss natürlich auch erfolgen: Marketing, Customer Care, Order Management, Billing etc.

Erste erfolgreiche Beispiele hat die US-amerikanische Hotelkette Red Roof Inn durchgeführt. Situation: Mein Flug wurde storniert. Ich stehe am Flughafen XYZ und überlege, was zu tun ist. Und noch bevor ich nach einer Übernachtungsmöglichkeit hier in XYZ googlen kann, wird mir per SMS freundlich eine Servicenummer mit Buchungsvorschlägen in der Nähe dieses Flughafens angeboten. Relevant, bequem und genau zum richtigen Zeitpunkt.

 

Ergebnis für die Hotelkette:

  • “+615 share of voice”,
  • “+375% conversion rate”,
  • “+60% booking lifts”
Human Resources: Antreiber der digitalen Transformation?

Human Resources: Antreiber der digitalen Transformation?

Rolf-Dieter Lafrenz hat vor Kurzem über die Notwendigkeit eines Chief Digital Officers (CDO) gesprochen. Er kam zu dem Ergebnis, dass die digitale Transformation nicht von CDOs allein, sondern nur in Verbindung mit einer gesamtheitlichen Digitalstrategie für das eigene Geschäftsmodell stattfinden kann.

Wieso die digitale Transformation so wichtig ist

Einer aktuellen Studie der Personalberatung Heidrick und Struggles zufolge bündelt jedoch nur jedes 5. Unternehmen in DAX und MDAX seine digitalen Entscheidungen. Die großen deutschen Unternehmen messen der digitalen Transformation zu wenig Bedeutung bei. Viele vergessen, dass sich heutige Chancen zu künftigen Risiken verwandeln können, wenn sie Trends verschlafen. Nokia ist ein „leuchtendes“ Beispiel dafür. Von 1998 bis 2011 war der finnische Telekommunikationskonzern Handy-Weltmarktführer. Dann verpasste Nokia den Trend zum Smartphone und stürzte in die Bedeutungslosigkeit. Selbst die anschließende Partnerschaft mit Microsoft konnte das Ruder (bisher) nicht herumreißen.

Dass die Digitalisierung es ermöglicht traditionelle, bewährte Wertschöpfungsketten innerhalb kürzester Zeit zu eruieren zeigt sich auch an anderer Stelle: Von Uber über AirBnB bis hin zu Lending Club haben es Unternehmen nahezu ohne Assets geschafft, ehemals veränderungsresistente Branchen auf den Kopf zu stellen. Nicolas Clasen spricht in Anlehnung an die Theorie des renommierten Harvard Professors Clayton Christensen von einem digitalen Tsunami. Wenn die Bedrohung durch neue digitale Geschäftsmodelle bemerkt wird, ist es oft schon zu spät.

Weshalb ein kulturelles Umdenken stattfinden muss

Zwischen den sog. „Unicorns“ (Uber, AirBnB, Lending Club usw.) und gestandenen Unternehmen gibt es zwei entscheidende Unterschiede:

Uber & Co. haben ihre Geschäftsmodelle um die digitalen Technologien herum aufgebaut und sie sind Digital Natives.

Gestandene Unternehmen hingegen haben zunächst ihr Geschäftsmodell definiert und ergänzen lediglich die technologischen Neuerungen. Mit der Entwicklung einer App ist es jedoch nicht getan. Viele verstehen nicht, dass die Digitalisierung weit mehr ist als ein Technologietrend. Dabei erfolgen immer mehr Konsumentscheidungen über digitale Geräte. Sie kommen in jedem Lebensbereich zum Einsatz, sei es zu Hause oder auf der Arbeit. Das papierlose, digitale Büro ist längst kein Zukunftskonstrukt mehr. Das Prinzip der Disruption ist dabei immer dasselbe: Zunächst werden bestehende Prozesse verbessert und anschließend ersetzt. Man denke nur einmal an die Entwicklung der Fotografie, von der Kodak-Kamera bis zum Smartphone. Oder daran, wie das anfangs belächelte Dampfschiff letztlich Segelschiffe obsolet werden ließ.

Die gute Nachricht ist, dass auch etablierte Unternehmen die digitale Disruption erfolgreich mitgehen können. Ein Beispiel ist der Versandhändler Otto. Als Reaktion auf die Bedrohung durch eCommerce-Giganten wie Amazon und Zalando wurde ein Prozess des „kulturellen Umdenkens“ gestartet. Innerhalb des Unternehmens wurden – unter Führung des Personalbereichs – digital-affine Bereiche identifiziert und daraus Experten-Teams gebildet. Ziel dieser Experten-Teams war es als digitale Vordenker die neuen Möglichkeiten zu nutzen und schnelle Erfolge zu erzielen. Die Erfolge sollen anschließend das Verständnis und „Mitziehen“ des gesamten Unternehmens in eine digitale Zukunft schaffen und beschleunigen.

Wer von Ihnen stand noch nicht vor der Problematik Veränderungen im Unternehmen herbeiführen zu wollen, jedoch am Widerstand von Kollegen zu scheitern, die lediglich das Argument bringen, dass „ man das ja schon seit Jahren so machen würde “? Wir Menschen sind „Gewohnheitstiere“. Wir lassen uns nur von stichhaltigen Argumenten überzeugen: Wer den kulturellen Veränderungsprozess starten möchte braucht deshalb Erfolge.

Mit About You hat Otto einen Webshop um Data Mining Technologien herum aufgebaut, der schon im ersten Jahr in den umkämpften jungen Zielgruppen einen zweistelligen Millionenumsatz erwirtschaften konnte. Otto scheint auf dem richtigen Weg zu sein, trotz der vermeintlich übermächtigen Konkurrenz, einen Teil des Kuchens abzubekommen. Und Sie können das auch!

Warum Personaler die CDOs der Zukunft sein werden

Kulturelles Umdenken findet natürlich nicht von heute auf morgen statt. Wie bereits erwähnt, kann es jedoch beschleunigt werden. Neben digitalen Vordenkern und Erfolgen braucht es jedoch Führung – etwa in Form eines Chief Digital Officers. Einer Studie von strategy& zufolge kommt dieser meist aus den Bereichen Marketing oder Strategie.

Denkbar ist auch der Personalbereich: Er bestimmt nicht nur über Neueinstellungen, sondern oftmals auch darüber welche Schulungsmaßnahmen Mitarbeiter erhalten. Gerade wenn es um Veränderungsprozesse geht, die das Verständnis der Mitarbeiter erfordern und deren aktive Mitgestaltung, sitzen Personaler am Knotenpunkt zwischen der Unternehmensführung, der digitalen Task-Force, sowie den restlichen Mitarbeitern. Sie können dadurch wichtige Impulse geben und dafür sorgen, dass Mitarbeiter nicht im digitalen Transformationsprozess zurückbleiben. Die klassischen HR- Aufgaben erhalten dadurch eine neue Definition, verändern sich aber nicht grundsätzlich.

Ich selbst habe bei meinem Berufseinstieg von dieser Entwicklung profitiert. Die Erfahrungen seither haben mich überzeugt, dass dies ein Weg sein kann, wie Unternehmen die digitale Transformation erfolgreich bewältigen können – mit der Geschwindigkeit eines Startups.

Challengen Sie die Ubers Ihrer Branche! Stellen Sie Ihre interne Organisation um! Denn wer jetzt nicht kämpft, der hat schon verloren!

 

Aufmerksam wie ein Goldfisch: 5 Schlaglichter auf Mediennutzung im Sekundentakt

Aufmerksam wie ein Goldfisch: 5 Schlaglichter auf Mediennutzung im Sekundentakt

Smartphones und Tablets, mobile Nutzungs-Situationen, Angebots- und Informations-Flut. Der Wandel der Mediennutzung ist massiv, aber auch schon länger bekannt.
Spannend wird es, wenn man sich die Fragmentierung der Aufmerksamkeit ansieht, die damit einher geht.
Dem Thema folgend gibt es in diesem Beitrag fünf schnelle Schlaglichter auf das, was die “Snippet Nation” ausmacht.
Damit auch die intensiv Betroffenen jetzt nicht abspringen: Das Lesen dieses Beitrags dauert ca. 3 Minuten – das schaffen Sie!

Fünf mal Mediennutzung im Sekundentakt

(1) Mobile: Milliarden von Unterbrechungen.
Apps spülen täglich Milliarden von Push-Nachrichten auf den Bildschirm von Tablets und Smartphones, mittlerweile auch auf die Smartwatch. Beim Gedanken an den Produktivitäts-Killer der 2000er, die E-Mail Benachrichtigung auf dem Desktop, kann man da nur noch müde schmunzeln. Wer sie trotzdem noch bekommt: Hier die Anleitung für Outlook. Wer die Aufmerksamkeit von Nutzern halten will, hat auf Smartphones und Tablets also alle Hände voll zu tun. Ping!

(2) Die Mobile Nutzungsdauer steigt. Und verteilt sich.
Anfang des Jahres verbrachten schon über 40% der Deutschen mehr als eine Stunde pro Tag via Mobile im Internet. In den USA sind es im Durchschnitt aktuell schon fast drei Stunden – die mit Abstand am schnellsten wachsende Trendkurve der Mediennutzung. Die Zeit verteilt sich aber sehr ungleich. Wer seine Nutzer viel “sehen” will, muss in Gaming investieren. Wer z.B. Magazin-Apps macht, muss dagegen damit leben, seinen Nutzer nur 80 Minuten im Monat (!) zu haben. Das sind 160 Sekunden pro Tag: Nicht viel, um Inhalte zu vermitteln, Vertrauen aufzubauen und sich als Marke im Gedächtnis zu verankern.

(3) Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt.
Microsoft hat mit einer Studie in Kanada gezeigt, dass die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne von 12 (2000) auf 8 Sekunden gesunken ist. Goldfische, so heißt es, liegen bei 9 Sekunden.
Land unter also für komplizierte Zusammenhänge und langsam aufgebaute Spannungsbögen. Und für die oben genannten 160 Sekunden pro Tag: Das sind 20 Absprungpunkte für den Nutzer, 20x die Anforderung an UI/UX und den Content selbst, den Nutzer bei der Stange zu halten. Angesichts dieser Verhältnisse wird klar, dass die Zeiten von nicht optimierten Content-Angeboten gezählt sind. Die ePaper-Variante einer Zeitung  zum Beispiel hat es schwer, in diesem Takt wirksame Anker zu setzen.

(4) Die Not zur Tugend machen (I) – Content in Screen-Häppchen.
Die Amis haben es vorgemacht, jetzt gibt es auch auf Deutsch alle möglichen Zusammenfassungs-Content-Apps: Von Springer bis FAZ sind auch die großen Medienhäuser mit dabei. Der Grundgedanke ist allen gleich: Wir haben für Dich die Top-Themen ausgewählt, und hier bekommst Du nun die Wissens-Häppchen in leicht verdaubarer Form, ein Screen nach dem anderen. Circa hatte zumindest noch den Ansatz, sich entwickelnde Stories fortzuschreiben – ist aber leider pleite gegangen. Hoffentlich war das keine Kausalität.

(5) Die Not zur Tugend machen (II) – Multitasking lernen per App.
Es wäre ja gelacht, wenn es nicht auch eine App gäbe, die aus der beschriebenen Unterbrechungs-Flut und dem Aufmerksamkeitsmangel ein Geschäft machen will. Concurrency heißt sie, und sie unterbricht ihren Benutzer in unregelmäßigen Abständen zusätzlich bei der Arbeit: Natürlich wissenschaftlich fundiert und mit dem Ziel, eben diese Unterbrechungen zukünftig besser wegzustecken. Das besser zu können, wäre tatsächlich wünschenswert. Studien zeigen: Schon ein paar Sekunden Unterbrechung reichen aus, um aus der Konzentration gerissen zu werden.

Kontrastprogramm – die Peter Lustig Methode.

Wenn Sie es bis hierhin geschafft haben: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben den Goldfisch um Längen geschlagen. Das sollten Sie feiern! Und zwar nicht mit einer App die Ihnen noch mehr Unterbrechungen beschert, sondern mit einer ganz klassischen Übung. Halten Sie es doch einfach mal für eine Stunde mit Peter Lustig. Sie wissen schon: Einfach abschalten.