Market Networks: Unicorn-Potenzial für B2B

Market Networks: Unicorn-Potenzial für B2B

James Currier hat vor Kurzem den Begriff “Market Network” geprägt: Ein Marktplatz, der Transaktionen und deren Abwicklungen anbietet, aber auch eine 360° Vernetzung seiner Teilnehmer ermöglicht. Ein Netzwerk, das sich in einem klar umrissenen Rahmen auf eine Branche/ ein Kernthema fokussiert, und es den Mitgliedern erlaubt ohne weitere Friktion miteinander Geschäfte zu machen.

Currier sagt: Das ist die Quelle der nächsten Unicorns; den Market Network gehören die nächsten zehn Jahre, so wie den Social Networks die letzten zehn gehört haben.

Ich sage: Market Networks sind der Schlüssel dazu, dass B2B-Anbieter aufholen, und eine Vielzahl von neuen B2B-Unicorns entstehen werden.

Teilen statt kaufen: Die B2B Sharing Economy

Rolf-Dieter Lafrenz hat es hier auf SCHICKLER.next neulich schon gesagt: Es steckt viel Potenzial in der Sharing Economy für B2B Anwendungen – gerade für deutsche Unternehmen. Der Grundgedanke der (kommerziellen) Sharing Economy von Uber, AirBnB und Konsorten ist schließlich nicht das “Teilen” als soziale Interaktion und solidarischer Akt, sondern der Austausch von “Besitz” durch “Zugriff” auf eine Ressource.

Dieser Aspekt ist übrigens auch das Einfallstor für Anbieter, die nicht nur die Plattform betreiben, sondern tiefer von der Wertschöpfung partizipieren wollen: Sharen kann auch eine Firma, nicht nur ein Privatmensch. Ein Beispiel dafür sind BMW und Sixt mit DriveNow: Im Gegensatz zu Uber, die kein einziges Auto besitzen, stellt BMW alle genutzten Fahrzeuge. Als Nutzer bekomme ich BMW damit als “Brand as a Service”, on demand, und zahle auch nur für die genutzte Zeit. Und wenn zwei Stunden später ein Smart ausreicht, dann buche ich ein Car2Go, hinter denen Europcar und Daimler stehen.
Immer mehr große Firmen werden aktuell Teil der Sharing Economy: Ein Großteil mittels solcher “Brand as a Service” Angebote, aber auch über Investments, eigene Produkte, als Betreiber von Marktplätzen, etc.

Im B2B-Geschäft muss der “schöne Schein” des Teilens gar nicht erst in den Vordergrund gestellt werden: Hier kann sich jeder Teilnehmer seinen Vorteil direkt ausrechnen. Entsprechend geht es in der B2B Sharing Economy insbesondere um genau das: Shared Economies – zum Beispiel die klassischen Skaleneffekte, wenn es auf einmal gelingt einen Maschinenpark voll auszulasten, weil man die ungenutzte Kapazität über einen Marktplatz einfach vermieten kann. Oder weil die ungenutzte Ladefläche des LKW über eine Plattform je nach Strecke “verkauft” werden kann.
Die Grenzen zwischen B2B und B2C sind dabei nicht so scharf umrissen, wie man glauben mag. DriveNow bietet zum Beispiel auch Accounts für Firmen an – man muss beim Einsteigen einfach auswählen, ob man privat oder geschäftlich unterwegs ist.

Gemeinsam ist den Modellen der Sharing Economy, dass die Transaktion an sich ist einfach ist und für gewöhnlich zwei Partner betrifft, zwischen denen gehandelt wird. Diese Verhältnisse ändern sich, wenn sich Market Networks entwickeln.

Komplex und voller Chancen: B2B Market Networks

Currier zählt sieben Kennzeichen für ein Market Network auf. In allen sehe ich starke Argumente dafür, dass dies ein Modell ist, in dem B2B im Digitalen den Sprung an die Front machen kann.

(1) Market Networks zielen auf komplexe Leistungen ab:
Im Gegensatz zu den einfacheren Transaktionen zielen Market Networks auf Leistungen mit hohem Mehrwert ab. AngelList macht es für (private) Investoren vor, und es sind beliebig viele Beispiele im B2B-Sektor denkbar. Charakteristika für eine komplexe Leistung könnten zum Beispiel bestehende Regulatorien sein (wie fast im gesamten FinTec-Segment) oder die Notwendigkeit, viele Beteiligte einzubinden und miteinander zu verzahnen (z.B. also im Ad-Hoc Aufbau einer kompletten Produktionslinie).

(2) Die Beteiligten (Menschen) sind nicht beliebig austauschbar:
Im Gegensatz zu den Sharing-Modellen, in denen die Beteiligten Menschen auf Kurz oder Lang ersetzt werden, sind in den Market Networks Profis gefragt. Je spezifischer die Anforderungen werden, desto komplizierter wird natürlich auch das “Match Making”. Ein B2B-Beispiel dafür könnte zum Beispiel die Vermittlung von Architekten-Leistungen sein: Hier geht es nicht mehr nur darum, dass der Architekt sein Diplom hat, sondern auch welchen Stil er verfolgt, was er bereits realisiert hat, welches Netzwerk ihm zur Verfügung steht, und so weiter. Ein Grund, warum die englische Plattform AutoAlert sich selbst schon als Market Network bezeichnet: Dort kann man Aufträge an Mitarbeiter oder Subunternehmer, wie z.B. für Kurierdienste, managen.

(3) Zusammenarbeit findet auf Projektbasis statt:
Mit einer einzigen Transaktion ist es nicht getan – das Market Network muss es ermöglichen, ein komplexes Vorhaben mit mehreren Beteiligten über längere Zeit abzubilden. Bleiben wir beim Architektur-Beispiel: Der Bau eines neuen Bürogebäudes kann schnell Monate bis Jahre dauern. Neben dem Architekten müssten viele andere Gewerke eingebunden werden, vom notwendigen Projektmanagement gar nicht zu reden. Bislang stoppen B2B-Plattformen bei der Vermittlung der Leistung, in der Baubranche ist ibau ein Beispiel dafür. Ein Market Network macht es in der Perspektive möglich, von der Anbahnung bis zur Realisierung des Vorhabens auf einer Plattform zu arbeiten.

(4) Die Beteiligten Personen sind auf der Plattform sichtbar:
Hier kommt die Social Network-DNA besonders ins Spiel. Mit der Möglichkeit, persönlich sichtbar zu sein (über detaillierte Profile und Interaktion miteinander), schafft das Market Network einen dauerhaften Anreiz für Aktivität auf der Plattform und kann gezielte “Hooks” setzen, die die Nutzer auch dann regelmäßig zur Plattform führen, wenn sie gerade nicht aktiv in einer Transaktion/einem Projekt eingebunden sind. Auch das macht AngelList übrigens beispielhaft vor: Hier werden die Angel-Investoren wie Tim Ferriss persönlich ins Rampenlicht gestellt.

(5) Market Networks unterstützen langfristige Geschäftsbeziehungen:
Es geht also nicht mehr nur um die einmalige Vermittlung als Markträumung – es geht darum, Wert aufzubauen und damit die Wechselkosten langfristig zu erhöhen. Ein Market Network wird davon leben, dass sich das professionelle Beziehungsgeflecht der Beteiligten dort von Projekt zu Projekt entwickeln kann. Hier werden die Jobnetzwerke wie XING und LinkedIn sicherlich angreifen, denn dort ist die persönliche Beziehung schon hinterlegt, es muss “nur noch” der Auftrag zwischen Bekannten vermittelt werden. Den einfachsten dieser Wege – das Recruiting über die Plattform – sind beide ja schon lange gegangen.

(6) Empfehlungen beleben das Geschäft:
Vertrauen wird Online im B2C-Segment mittlerweile durch Bewertungs-Sternchen und Likes ausgedrückt: Die Masse machts. Bei Profis kommt eine Komponente hinzu: “wer hat das gesagt?” gewinnt an Bedeutung. Dadurch wird die Bewertung persönlich, und wiederum das Netzwerk gestärkt (auch das haben die oben genannten Karriere-Netzwerke schon realisiert).  Ein Market Network muss dafür sorgen, dass professionelles Vertrauen zwischen den Teilnehmern wachsen kann, die sich (noch) nicht persönlich kennen, um möglichst wenig Friktion gegenüber zukünftigen Transaktionen in neuen Konstellationen zu erzeugen.

(7) Market Networks beschleunigen die Transaktion und die Zufriedenheit:
Der letzte Aspekt letztlich klassische Prozess-Optimierung. Wer Systembrüche, manuelle Arbeitsschritte und andere Prozessdefizite behebt, der sorgt für reduzierte Durchlaufzeiten und höhere Qualität. Klar, dass dieser Gedanke für B2C wie B2B gleichermaßen gilt.

Unicorn-Potenzial für B2B – wenn man einen Sweet Spot findet und schnell erschließt

Summa summarum: Wer die Komplexität von Market Networks meistert, wird im B2B-Segment erheblich mehr damit verdienen können als es in der “1.0-Version” der Sharing Economy möglich ist. Da ist der Sprung zum “Unicorn” tatsächlich nicht mehr weit.

Für B2B wird es eine wesentliche Herausforderung sein, die richtigen Sweet Spot in der Ausrichtung zu finden: Eng genug in der Nische, um eine gute Prozess-Unterstützung im System abzubilden und die Profis passend anzusprechen – weit genug, um eine kritische Masse an Nutzern und Transaktionsvolumen abzudecken und flexibel auf Marktentwicklungen reagieren zu können.

Um nicht am Ziel vorbei zu schießen, muss die Entwicklung schnell und in kurzen Iterationen erfolgen, um den Fortschritt direkt im echten Leben zu verproben. Wer jetzt gedanklich schon das Gantt-Chart aufmalt, um in Q3 2016 ein revolutionäres Market Network für XYZ zu starten, ist auf dem falschen Pfad.

Mobile ist noch größer als Sie dachten.

Mobile ist noch größer als Sie dachten.

Mobile, Mobile, Mobile: Man könnte fast meinen, dass den Tech-Journalisten nichts Neues mehr einfällt. Tatsächlich ist Mobile aber  viel größer und viel bedeutender, als es einem die Diskussionen um Responsive Websites, Location Based Services, Tracking, Werbevermarktung etc. glauben machen.

Einen willkommenen Perspektivwechsel bietet zum Beispiel die aktuelle Präsentation von Benedict Evans (Andreessen Horowitz), die die großen Entwicklungen rund um das Thema Mobile aufzeigt und in Kontext setzt.

Wussten Sie zum Beispiel, dass…

  • China der mittlerweile größte Smartphone-Markt ist?
    In China haben mittlerweile über 500 Millionen Menschen mobilen Internetzugang. Kein Wunder, dass Apple so agressiv nach China drängt, und selbst die Farbpalette der Geräte auf die chinesischen Nutzer angepasst hat. Wer in China kein iPhone will, der favorisiert meist ein Gerät von Xiaomi oder von Meizu – Hersteller, von denen wir hier in Deutschland bislang noch wenig hören, auch wenn Xiaomi seit Gründung in 2010 der viertgrößte Smartphone-Produzent hinter Samsung, Apple und Huawei geworden ist.

 

  • Smartphones auch in Wachstumsmärkten bald die “Feature Phones” ablösen werden?
    Schon nächstes Jahr werden in Afrika mehr Smartphones als Feature Phones verkauft werden. Befeuert wird diese Entwicklung davon, dass sehr preiswerte Smartphones verfügbar werden, die bald wohl auch auch lokale Trends wie das “Powerbank Phone” in Ghana verdrängen können.

 

  • Google mittlerweile in vielen Ländern mehr Suchanfragen von mobilen Geräten bekommt als von Desktops?
    Der Search-Markt befindet sich damit unter massivem Veränderungsdruck – und Google ist bei weitem nicht alleine unter Druck, sich für Mobile richtig aufzustellen. “Location based” wird bald nicht mehr als besonderes Feature genannt werden, weil es neben den Booleschen Operatoren zur Standardanforderung geworden ist.

 

  • gleichzeitig mobile Apps laut Comscore schon über 50% des GESAMTEN Online-Traffic in den USA ausgemacht haben?
    Es ist also nicht mehr “nur” die Frage, wie man denn Content möglichst Responsive macht, und wie Display Ads für Mobile optimiert werden können. Es entsteht ein massiver Veränderungsdruck dadurch, dass der Nutzer den Großteil seiner Online verbrachten Zeit in seinen Lieblings-Apps unterwegs ist.

… und so lässt sich die Liste noch beliebig lang weiterführen.

Mobile ist als Trend kaum zu überschätzen.

Inmitten der hohen Geschwindigkeit der digitalen Transformation ist das Thema Mobile mit noch einmal höherem Tempo unterwegs. Im Gegensatz zu vielen Trends, die noch einige Jahre brauchen bis die exponentielle Kurve durch die Decke schlägt, sind wir hier schon mittendrin. Diesen Trend zu überschätzen, ist wahrlich schwer.

TV to go – Starke Medienmarken mischen mobile TV Nutzung auf

TV to go – Starke Medienmarken mischen mobile TV Nutzung auf

Zwei aktuelle Meldungen lassen im deutschen TV Markt aufhorchen: Zuerst wurde der (bereits länger angekündigte) Start des Livestream Angebotes von TV Spielfilm offiziell bekannt gegeben. Anschließend stieg die Funke Mediengruppe bei On Air ein, der Programm App von stanwood aus Berlin. On Air hat bisher kein Livestream Angebot, die weitere Entwicklung gemeinsam mit dem neuen Shareholder wird aber interessant zu beobachten sein.

Beides sind exemplarische Entwicklungsschritte in der Diskussion um 2nd Screen Angebote und mobile TV Nutzung. Bisher waren es im deutschen Markt zumeist Startups, die sich hier herangewagt haben – mit überschaubarem Erfolg – oder internationale Player wie Magine und Netflix.
Wie so häufig hängen Akzeptanz und Erfolg von technologischen Neuerungen davon ab, wie schnell eine kritische Masse an Nutzern bereit ist, zu testen und von Bewährtem zu wechseln. Wir alle kennen die Szenarien und Use Cases der Art “einen Film auf dem Smart TV anhalten und in der U-Bahn auf dem Tablet an derselben Stelle weitersehen”. Doch wie hoch ist der Anteil der TV Zuschauer, die das wirklich bereits ausprobiert haben? Und bei denen es technisch funktioniert hat (in der U-Bahn)? Sind Start Ups und internationale Anbieter, die bisher im TV Markt nur Insidern bekannt waren, das richtige Zugpferd, um einen solchen Trend zu starten?

Mobile TV braucht bekannte Marken

Ganz andere Möglichkeiten haben hier etablierte Marken wie TV Spielfilm oder TV Digital, die schon die Migration von großen Teilen ihrer Print-Leserschaft auf die eigene App erfolgreich bewältigt haben. Innerhalb dieser App nun den nächsten Schritt Richtung Live-TV vorzunehmen ist sehr wahrscheinlich deutlich einfacher.

Interessant sind die neuen Anbieter auch im Vergleich zu den sendergebundenen Streaming-Angeboten wie Sky Go oder 7TV. Diese haben von der Markenbekanntheit eine ähnlich gute Startposition wie Programm-Apps, sind aber durch die logische Beschränkung auf die eigene Senderfamilie für eine andere Zielgruppe gedacht.

Mobile TV braucht mobile Daten

Und schließlich wird mobile TV Nutzung “in der U-Bahn” in Deutschland noch lange davon abhängig sein, wann die üblichen Mobilfunkverträge auch ein Datenvolumen beinhalten, das den Konsum von Bewegtbild zulässt.

Der Wettbewerb um die verschiedenen Screens zu Hause und unterwegs nimmt Fahrt auf, eine spannende Entwicklung!

Next transformations: Auswirkungen des mobile commerce auf Medien, Logistik und die deutschen Innenstädte.

Next transformations: Auswirkungen des mobile commerce auf Medien, Logistik und die deutschen Innenstädte.

In der digitalen Community ist schon seit Jahren unbestritten, dass die Megatrends mobile und e-commerce allein schon nicht aufzuhalten sind – und erst recht nicht in ihrer Kombination des mobile commerce. Digitalen Skeptikern, die die Romantik des samstäglichen Einkaufsbummels in der Innenstadt predigen, empfehle ich dringend die Studien von Evans und K5 (excitingcommerce). Jochen Kirsch von excitingcommerce.de schätzt, dass sich das e-commerce Marktvolumen in Deutschland von etwa 50 Mrd. Euro in 2014 auf über 100 Mrd. Euro in 2020 verdoppeln wird.

In diesem Blogbeitrag soll jedoch nicht die Transformation des Handels im Vordergrund stehen. Vielmehr interessiert mich die Frage, welche Auswirkungen der mobile commerce auf andere Branchen hat. Und welche neuen Chancen und Risiken daraus entstehen.

Die erste Branche, die eher die Risiken sehen wird, sind die klassischen Medien. Durchschnittlich geben Händler 2,5% ihres Umsatzes für Marketing aus . Die Hälfte dieses Budgets wird für gedruckte Handelswerbung und Anzeigen ausgegeben. Unter den Top 20 werbungstreibenden Händlern Deutschlands befinden sich viele Lebensmittel-Discouter, aber auch klassische Handelsunternehmen wie die Media-Saturn-Holding (Platz 1), Galeria Kaufhof (Platz 11), Euronics (Platz 13), Karstadt (Platz 14) und EP Electronic Partner (Platz 17) . Man braucht kein Prophet zu sein für die Annahme, dass diese Werbebudgets in den kommenden 5-10 Jahren nicht mehr in voller Höhe in klassische Medien gehen werden. Profitieren werden mobile networks, die in der Lage sind, großflächige Abverkaufskampagnen über mobile Endgeräte auszusteuern, und zwar POS optimiert. Aktuell gibt es kein deutsches Medienunternehmen, das eine solche Kampagne durchführen könnte. Will man diesen Markt nicht Google und Facebook überlassen, liegt hier ein riesiges Marktpotenzial (Link zu meinem vorherigen Blog zu diesem Thema). Natürlich hoffen die Logistikanbieter auf einen größeren Kuchen. So rechnet DHL damit, dass die Anzahl der Pakete pro Kopf von 12 (2012) auf 24 (2018) verdoppeln wird. Doch ich bezweifle, dass der wachsende Kuchen vollständig an DHL & Co. geht. Sharing-Konzepte in der Nah-Logistik werden ihnen das Geschäft streitig machen. Beispiele sind uber cargo, cargomatic, buddytruk, traansmission, onemorepallet. Neben den Medien ist also die Logistikbranche das nächste Feld der Transmission.

Aber auch die Innenstädte werden sich wandeln müssen. Schon jetzt ist zu beobachten, dass die Zahl der Ladengeschäfte in Klein- und Mittelstädten zurückgeht. 57% der Einzelhändler berichten von sinkenden Kundenfrequenzen in den Innenstädten. Der Trend wird sich verschärfen, wenn die Deutschen bis 2020 etwa 50 Mrd. Euro weniger im Einzelhandel ausgeben als heute. Wahrscheinlich werden sich die Innenstädte von Einkaufs- zu Eventlokationen wandeln. Gastronomie- und Unterhaltungskonzepte werden wachsen, die Menschen werden ihre Freizeit in den Städten verbringen statt dort einzukaufen. Fazit: Der Einzelhandel ist mit einem Marktvolumen von über 450 Mrd. Euro eine Mega-Branche in Deutschland. Wenn sich der Handel durch mobile commerce massiv verändert, hat dies in der Konsequenz große Auswirkungen auf die angrenzenden Branchen. Die klassischen Medien als Werbepartner des Handels, die Paketlogistik als Profiteur vom e-Commerce und die Innenstädte als „Flächen-Partner“ des Einzelhandels sind wichtige, aber nur einzelne Beispiele. Es werden viele neue Geschäftsmodelle rund um den e-Commerce entstehen, die von diesem Wandel profitieren werden.

Das Google News Lab und die Digital News Initiative

Das Google News Lab und die Digital News Initiative

Don´t be evil or sympathy for the devil?

Recherche und Konzept: Katharina Buck

Ende Juni veröffentlichte Google mit dem News Lab einen neuen Service für Journalisten, nachdem kurz vorher die Digital News Initiative (DNI) gestartet wurde. Es handelt sich dabei um einen virtuellen Raum, der Journalisten mittels Tutorials und best practices das Google-Portfolio für ein besseres Storytelling näher bringen und über aktuelle Partnerschaften mit Journalisten informieren soll. Die DNI hat den Zweck, Produktinnovation und den Journalismus der Zukunft zu fördern. Ist das vor dem Hintergrund der Posse um das Leistungsschutzrecht und den Verfahren gegen Google in Brüssel nur ein „smart move“, ein Gang nach Canossa oder aber knallhartes strategisches Kalkül? Wie sollen sich die Verlage, Medienhäuser, Journalisten, Universitäten, Start-up`s und Blogger nun verhalten? Ein Überblick:

Googles Perspektive

Der Slogan: “Use googles technologies to be part of this innovation in journalism that’s happening today”

Das Ziel: Unterstützung des Qualitätsjournalismus mit Technologie und Innovation, um zu einer besseren und demokratischeren Welt zu werden.

Das Angebot:

  • Google möchte Journalisten über das News Lab Tools für Recherchen, optimiertes Storytelling, Distribution und Reichweitenoptimierung zugänglicher machen. Als Beispiele seien Google Alerts, Youtube, und der Google Newsstand genannt.
  • Durch das zur Verfügung stellen relevanter Daten, bspw. mittels Google Trends, möchte Google insbesondere den data driven journalism unterstützen.
  • In Projekten beabsichtigt Google, die Zusammenarbeit mit Journalisten und Media Entrepreneurs auszubauen, um den Austausch zwischen Journalisten und Technologieexperten zu fördern und die Zukunft der publizistischen Medien mitzugestalten.
  • Mit den Mitteln aus der DNI sollen innovative Recherchetechnologien und neue Geschäftsmodelle rund um News Content gefördert werden.

 

Die realistische Perspektive

Der Slogan:Eine Suchmaschine ist nur so gut, wie die Informationen, die sie liefert.“ (Meedia)

Oder besser: „But today’s announcement underscores the company’s decision to take a more active role in what the future of media will look like — perhaps trying to cement its role as a main conduit through which people consume content.“ (Venturebeat)

Das Ziel: Wer hilft Google dabei, eine noch dominantere Rolle nun auch bei der Entstehung von Content und der Recherche hierzu zu erlangen?

Mitmachen! Testen! Lernen! Wissen erweitern! 

Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, dass Google die globale Nr. 1 im  Suchmaschinenmarkt ist und bei den Ad-Sales die Nr.1 vor Facebook. Facebook arbeitet mit gutem Targeting und innovativen Ideen (Instant Articles); für Google bleibt FB damit der größte Konkurrent (nicht etwa andere Medienunternehmen oder gar Verlage).

Die Mission von Google lautet daher, die Informationen der Welt so zu organisieren und für alle zu jeder Zeit zugänglich und nutzbar zu machen, dass weder Contentmacher noch die Nutzer an den Google Tools vorbeikommen. Motto: „deep information enables deep targeting“.

 

Im Bereich der News und News Innovation gibt es daher zwei Herausforderungen für Google. Denn als Zugang zu digitaler journalistischer Berichterstattung nutzen die Leser und Journalisten mehr und mehr den Newsfeed ihrer sozialen Netzwerke (Facebook).

Im Bereich der Organisation von News stützen sich einige Medien-Startups wie bspw. Flipboard oder Smartnews ebenfalls auf soziale Medien, indem sie Beiträge nach der Bedeutung, die ihnen im Umfeld des jeweiligen Freundeskreises zukommt, bewerten und organisieren. Aus der Sicht von Google sind das damit gleich zwei Gründe, entsprechende Innovationen anzustoßen. Die Nutzer sollen wieder über Google den Zugang zur Berichterstattung finden – oder zumindest durch entsprechende Anwendungen in den Beiträgen wieder zu Google-Usern werden.(Google Plus war insoweit ja ein Flop)

Die versierten Journalisten nutzen Google und alle dazugehörigen Tools schon seit Jahren und es ist gut, wenn der Rest damit nun auch umgehen kann! Es war immer schon gut zu wissen was die Leser suchen. Hinter den mächtigen Tools steht viel Kow How; man sollte es nutzen, probieren, mitmachen, jedoch wissen was man tut und wer die Daten bekommt! Die DNI ist hier gleichfalls eine Chance vom führenden Contentinnovator zu lernen! (By the way: Jeff Jarvis, Geeks Bearing Gifts, Seiten 67 ff. lesen!)

Allerdings gibt es viel mehr Tools und innovative Konzepte als nur die von Google! Und die sind teilweise viel spannender als die von Big G.

Facebook, Twitter, Periscope, Instagram, Pinterest, Whatsapp und und und….! Diese Tools sind noch lange nicht ausgeschöpft! Datengetriebene Verifikationstools und IoT in der Recherche stehen erst am Anfang. Unabhängigkeit bedeutet, alle Tools und Möglichkeiten auszuloten!

socialapps

Fazit

Mit Annahme eines Angebots an Tools für die gesamte journalistische Wertschöpfungskette von einem Unternehmen, geht immer auch die Gefahr einher, sich in dessen Abhängigkeit zu begeben. Insbesondere vor dem Hintergrund des journalistischen Anspruchs nach Objektivität und Unabhängigkeit ist an dieser Stelle Vorsicht geboten. Allerdings ist zu erwidern, dass sich Qualitätsjournalismus gerade dadurch auszeichnet, sich nicht nur auf eine Quelle zu berufen und unabhängig zu agieren. Darum sollte der “Markt” nicht nur dieses Angebot nutzen!

So lange Google also ein Ursprung nützlicher Werkzeuge für den Journalisten ist und nicht die Journalisten selbst zu Werkzeugen für Google werden, bieten sich in den Tools nützliche Hilfsmittel und die DNI kann eine Plattform für Innovation und Austausch sein. Für klassische Medienhäuser bleibt an dieser Stelle allerdings zu überdenken, ob sie nicht auch unabhängig den Zugang zu technologischen Innovatoren initiieren sollten – um sich eben nicht NUR passiv in die Abhängigkeit eines technologischen Mega-Konzerns zu begeben.

Zusammenfassend also ist festzuhalten, dass das News Lab und die DNI Zugang zu einigen hilfreichen Tools für Journalisten bieten werden – solange man den eigentlichen Zweck nicht aus den Augen verliert: journalistische Unabhängigkeit und Objektivität zu wahren. Eine gewisse Sympathie hat diese PR Offensive von Google also doch!  Kooperation sorgt für mehr Wachstum als ein Kampf. Im Hinterkopf ist aber immer zu  behalten: bei allem Altruismus geht es letzten Endes auch in einem Unternehmen wie Google doch ums Geld verdienen – eben nur gerne unter dem Motto: „don’t be too evil“.