“Shop on Google” und Facebook Instant Articles – der Kampf um die mobilen Nutzer

“Shop on Google” und Facebook Instant Articles – der Kampf um die mobilen Nutzer

Letzte Woche startete Facebook mit den ersten Publishern an Bord Instant Articles. Dabei sind aus Deutschland Bild und Spiegel Online. Das Medienecho ist laut und sehr gespalten: Während manche den Untergang der journalistischen Unabhängigkeit sehen, freuen sich andere über die neuen Möglichkeiten die Zielgruppe dort zu erreichen, wo sie sich aufhält – nämlich auf Facebook.

Die Idee von Instant Articles ist einfach: Während bisher Publisher Links auf Facebook geteilt haben, werden nun Inhalte vollständig in Facebook eingebettet. Hauptaspekt für Facebook: Der Nutzer verlässt die Facebook-Plattform nicht mehr, wenn er einen Inhalt konsumiert. Solange Nutzer auf Facebook sind, so lange verdient Facebook mit ihnen über Werbung Geld. Wer zur Webseite eines Publishers abspringt, der muss erst einmal wieder zurückkommen. Das, was der Nutzer also will -, nämlich einen Artikel lesen – bekommt er direkt auf Facebook.

Wie das Wall Street Journal berichtet, plant Google in den nächsten Wochen “Shop on Google” zu starten – mit grundsätzlichen Parallelen zu Facebook Instant Articles. Mit “Shop on Google” wird die eingeblendete Produktwerbung (z.B. bei der Suche nach “iPhone 6” im Bereich oben zu sehen – bei ausgeschaltetem AdBlocker!) mit einem “Shop on Google” Button angereichert. Die Produkte können über Google als Vertragspartner direkt gekauft werden. Während das Produkt weiterhin über einen E-Commerce Shop versendet wird, drängt sich Google zwischen den Kunden und den E-Commerce Shop.

Bei Native Articles muss ein Nutzer nicht mehr zur Webseite des Publishers abspringen, um einen Inhalt zu lesen.
Bei “Shop on Google” muss ein Nutzer nicht mehr zur Webseite des E-Commerce Shops abspringen, um ein Produkt zu kaufen.

Das Experiment wird Google nur auf Mobile starten, mit vermutlich dem gleichen Grund wie Facebook überhaupt Instant Articles entwickelt hat: der Absprung zu einem anderen Portal ist auf Mobile deutlich härter und ein Rücksprung unwahrscheinlicher im Vergleich zum Desktop. Mobile ist der Treiber, was sich auch bei den Werbeausgaben zeigt. Jüngst veröffentlichte Google, dass in mehr als 10 Ländern die mobile Nutzung von Google stärker ist als auf dem Desktop.

Unbekannt ist der Shopping-Bereich für Google nicht. Mit Google Shopping hat Google bereits einen Produktvergleich etabliert. Dieser dient jedoch immer als Listing-Portal und als Absprungpunkt zu Dritten. Jetzt wird dieser Absprung unnötig.

Facebook und Google haben ihre Strategie im mobilen Markt damit öffentlich gemacht: Verhindern, dass der Nutzer abspringt. Wie wird Amazon diesen Angriff von Google kontern? Einen Versuch hat Amazon bereits unternommen und mit Amazon Fire Phone ein eigenes Smartphone herausgebracht, welches die Amazon Dienste nahtlos integriert. Ziel des Amazon Fire Phone ist, dem Nutzer eine Amazon-Umgebung zu bieten, aus der er gar nicht abspringen muss bzw. kann. Dieser Versuch ist gescheitert.

Die rasant wachsende Mobile-Nutzung verändert die Branche und die Geschäftsmodelle. Man darf gespannt sein, was nach Instant Articles und “Shop on Google” der nächste Zug sein wird. Der Kampf um die mobilen Nutzer hat begonnen.

Die SMS ist tot, es lebe die SMS!

Die SMS ist tot, es lebe die SMS!

Die Bitkom hat es eindrucksvoll aufgezeigt: Das Aufkommen von SMS ist im Zeitalter von Messaging-Diensten wie WhatsApp und iMessage seit 2012 im freien Fall:
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Da liegt der Schluss nahe, dass die Tage der SMS gezählt sind – und jeder, der Nachrichten per Push auf ein Handy platzieren will, sich tunlichst davon fernhalten soll. Doch so einfach ist die Rechnung nicht. Wie die Bitkom richtigerweise kommentiert wurden parallel  “viele neue Anwendungen für die SMS entwickelt”. 

Die Argumente pro SMS sollten also auch entgegen des großen Trends berücksichtigt werden.

Verlässlichkeit und Standardisierung

Nach wie vor ist die tradierte SMS die einzige Nachricht, die man unabhängig von einer Internetverbindung an ein Mobiltelefon versenden kann. Dafür tragen die Netzbetreiber Sorge (und lassen es sich ja seit Jahr und Tag auch fürstlich bezahlen, wie ein Vergleich mit dem Download vom Hubble-Teleskop aus 2008 anekdotisch zeigt). Das heißt: Nicht nur die Großmutter erreicht man mit der SMS zuverlässig, sondern alle Mobilfunkteilnehmer. Das ist ein wesentliches Kriterium für alle Anbieter, die sich keine Ausgrenzung des Empfängerkreises leisten wollen oder können. Ein Beispiel dafür sind Taxizentralen, die die Nummer des zugeteilten Funkwagens nach der Bestellung zustellen. So kann man Prozesskosten im Callcenter sparen, ohne Gefahr zu laufen dass man Nutzer erst anhand Ihres genutzten Messengers qualifizieren muss.

Neben der einfachen Benachrichtigung lassen sich aber auch komplexere Interaktionen per SMS abbilden: B2B Anbieter wie Zingle versorgen Hotels, Restaurants oder Parkhäuser schon seit Jahren mit Services, um Kunden per SMS zum Beispiel den Anruf bei der Rezeption zu ersparen. Aktuell starten einige Concierge-Dienste, die die SMS als universellen “heißen Draht” nutzen, zum Beispiel das Startup Magic in den USA, oder das EU-Pendant GoButler.

Exklusivität durch “gegen den Trend schwimmen”

Die Renaissance des E-Mail Newsletters in den letzten 1-2 Jahren macht es vor. Wenn das “Rauschen” auf einem Kommunikationskanal abnimmt, ergibt sich dadurch auch die Chance, dass die eigene Nachricht auf diesem Kanal an Relevanz gewinnt. Dieser Trend ist auch beim Thema SMS zu beobachten – quasi als Newsletter-Destillat. So kann man sich zum Beispiel bei “textmeapps” in den USA jeden Tag eine iOS-App-Empfehlung per SMS schicken lassen. Gut möglich, dass die SMS also auch im Marketing einen zweiten Frühling erlebt. Nicht trotz, sondern wegen des massiven Wegbruchs des Volumens, das die Bitkom aufgezeigt hat.

Facebook Instant Articles – Wolf im Schafspelz?

Facebook Instant Articles – Wolf im Schafspelz?

Newsreader wie Feedly haben die Nutzung der Medien stark verändert: Statt die einzelnen Webseiten der Medien zu besuchen, können Nutzer bestimmte Inhalte individuell abonniert und in aggregierter Form lesen. Was interessant ist, wird angeklickt. Nur dann begibt man sich auf die Webseite des Publishers und erst dann kann ein Publisher über Werbeinhalte Erlöse generieren.

Auch Facebook hat sich immer mehr zu einem integrierten Newsreader entwickelt. Ein Großteil der Digital-Natives nutzt die Timeline wie einen Newsreader – und springt auf die Webseite des Publishers ab, wenn ein Inhalt spannend erscheint. Das will Facebook in Zukunft verhindern und die Nutzer länger auf seiner Plattform halten.

Instant Articles heißt die Lösung des Netzwerks, die die Nutzer verstärkt auf der eigenen Plattform halten soll. Die Idee ist einfach: Statt wie bisher Links zu Inhalten des Publishers auf Facebook zu posten, werden die Inhalte direkt in Facebook eingebunden. Dass Publisher sich nicht unbedingt darum reißen, ihre Inhalte direkt auf Facebook einzubinden, ist auch Facebook klar. Daher gibt es eine Gegenleistung: Geld. Facebook beteiligt Publisher an den Werbeeinnahmen, die über die eingebundenen Inhalt auf Facebook generiert werden. Durch den Publisher selbst vermarktete Werbeerlöse verbleiben vollständig beim Publisher. Bei durch Facebook vermarkteter Werbung erhält der Publisher 30% der Erlöse. Ein durchaus interessantes Angebot für die Publisher, denn es entstehen keine zusätzlichen Kosten (außer möglicherweise für die Administration / Aussteuerung der Artikel), da die Inhalte nicht extra für Facebook erstellt werden, sondern auf Facebook als zusätzlicher Plattform ausgespielt werden.

Was auf den ersten Blick unscheinbar daher kommt, kann einen radikalen Einfluss auf die Mediennutzung haben. Die Facebook-Nutzer werden sich daran gewöhnen, Inhalte auf Facebook vollständig zu konsumieren – ohne zu den Webseiten der Publisher abzuspringen. Einmal gewöhnt, wird es schwierig sein, die Nutzer auf die eigene Plattform des Publisher zu locken. Publisher, die sich jedoch gegen die Kooperation mit Facebook entscheiden, werden einen Wettbewerbsnachteil haben: die Nutzer werden präferiert Inhalte konsumieren, die auf Facebook in ihrer Timeline vollständig verfügbar sind.

Angeblich ist Facebook bereits in Verhandlungen mit der New York Times und National Geographic und plant Instant Articles schon in Kürze zu starten. Man darf gespannt sein, welchen Einfluss dies auf die Nutzung der Inhalte haben wird – und wie sich die Publisher entscheiden: für oder gegen Facebook als ihre zusätzliche Medienplattform.

Edit (15.07.2015): Bild.de hat einen ersten Instant Article veröffentlicht. Die W&V berichtet eher kritisch darüber.

Umsonst geopfert? Zwei Jahre nach Snowden wächst der Cloud-Markt mit Rekordtempo.

Umsonst geopfert? Zwei Jahre nach Snowden wächst der Cloud-Markt mit Rekordtempo.

Die Technologiespezialisten von Crisp Research schätzen, dass deutsche Unternehmen im Jahr 2018 rund 28,5 Milliarden Euro für Cloud-Services und –Technologien ausgeben. Das entspricht einer Steigerung um knapp 40% im Vergleich zu 2015. Die Researcher von Crisp fanden weiterhin heraus , dass heute zwar erst 19% der Unternehmen Cloud-Lösungen einsetzen, jedoch weitere 56% sich in der Planung- oder Implementierungsphase befinden. Die Zahl der Verweigerer liegt nur noch bei 25%. Infrastructure as a Service (IaaS) wird sich damit in der Breite durchsetzen, auch bei etablierten Unternehmen. Zu diesen Erkenntnissen passen die Veröffentlichungen von Amazon und Microsoft, die jeweils Rekordumsätze in ihren Cloud-Computing Sparten Amazon Web Services und vermelden.

Trotzdem tun wir uns weiterhin schwer. Ich kann von vielen Diskussionen mit Entscheidern berichten, die sich die Frage stellen, ob wir dem Netz trauen können. Und ob nicht irgendwann eine Gegenbewegung der Bürger gegen Überwachung und Datenklau zu erwarten ist. Und die IT-Chefs? Vor allem die älteren Semester sind geübt darin, die Risiken aufzuzählen. Als ob sich die eigenen Server als sicherer herausgestellt hätten.

Die Fakten sprechen jedoch eine andere Sprache. Allen Bedenken zum Trotz wachsen Cloud-Lösungen in einem Rekordtempo, von einer Gegenbewegung ist nichts zu erkennen. Unabhängig von ihrer persönlichen Meinung sollten sich alle Entscheider darüber im Klaren sein, dass ihnen die Zeit davonläuft. Wer jetzt nicht auf Cloud-Lösungen setzt, wird eine schwere Zukunft haben. Dies gilt natürlich in erster Linie für Softwareunternehmen und IT-Serviceprovider. In zweiter Linie jedoch auch für alle anderen Branchen, die mit einem traditionellen IT-Verständnis Geschwindigkeit, Flexibilität und Kostenvorteile verlieren werden.

Von A wie Adblocker bis S wie Sonderveröffentlichung: Warum Native Advertising den Verlagen sehr vertraut sein sollte

Von A wie Adblocker bis S wie Sonderveröffentlichung: Warum Native Advertising den Verlagen sehr vertraut sein sollte

Bereits 2008, im Zuge der Finanzkrise, wurden Banner-Ads als Auslaufmodell deklariert. Bisher halten sich die Totgesagten wacker. Doch sie haben es schwer. Drei Gründe sind hierfür verantwortlich:

Zu geringe Sichtbarkeit

  • Die Banner-Ad wird nicht angezeigt, da AdBlocker die Anzeige verhindern – bezahlen muss der Werbende teilweise trotzdem.
  • Auch ohne AdBlocker kommen die Banner-Ads nicht ins Sichtfeld des Benutzer, weil er zum Beispiel nicht weit genug herunterscrollt – so werden 56% der ausgelieferten Anzeigen nie von einem menschlichen Auge erblickt.
  • Wenn ein Banner-Ad trotz dieser Widrigkeiten sichtbar wird, so wird er ignoriert, denn wir haben unser Gehirn perfekt darauf trainiert, das Banner-Ad auszublenden – auch  bekannt als Banner Blindness (wenn es dafür sogar einen eigenen Begriff gibt, muss es ernst sein).
  • Der Banner-Ad wird nicht von Menschen-, sondern von Roboteraugen angeschaut – 11% der Anzeigen werden von Bots aufgerufen, wie eine Studie der Association of National Advertisers zeigt

Fazit: Die geringe Sichtbarkeit dürfte die zahlenden Werbekunden langfristig wohl kaum zufriedenstellen.

Zu schlechte Performance

Fazit: Hier stellt sich aber auch die Frage: sind Klicks relevant. Für die Bewerbung konkreter Produkte bei E-Commerce Anbietern: ja. Grundsätzlich für Imagewerbung: fraglich.

Zu hohe Kosten

Fazit: Gerade der Klick der Bots wird so zum unverhältnismäßig teuren Ärgernis.

Wie (Online-)Medien an die Probleme herangehen – was bisher geschah

  • Gegen die Nutzung von AdBlockern aufrufen: Eine Kampagne gegen die Nutzung von AdBlockern hatte den ungewollten Effekt, dass viele Internetnutzer erst auf die Existenz von AdBlockern aufmerksam wurden – was wiederum deren Downloads massiv ankurbelte.
  • AdBlocker verklagen: Handelsblatt und Zeit sind erfolglos gegen den Hersteller der Software Adblock Plus vorgegangen. Weitere Klagen laufen noch. Die Gerichte folgten bisher Argumentation des Softwareherstellers von AdBlock Plus, dass es Sache des Nutzers sei, was er sehen möchte und was nicht.
  • AdBlocker erkennen: Einige Webseiten gehen dazu über zu erkennen, ob ein Nutzer einen AdBlocker verwendet. Dem Nutzer wird dann nicht der Inhalt der Webseite angezeigt, sondern ein Hinweis, bitte seinen AdBlocker auszuschalten.

Diese Maßnahmen zielen letztlich darauf ab, auf die technischen Probleme von Banner-Ads einzugehen. Aber warum sind diese eigentlich so beliebt bei den Werbenden? Ganz klar: Das Prinzip ist vertraut und einfach verständlich. Jeder, der Print-Anzeigen schaltet, kann Banner-Ads verstehen, da sie eine 1-zu-1 Übertragung vom gedruckten Papier ins Internet darstellen. Gleiches gilt für die Medien: Sie verstehen Banner-Ads, da es die simple Übertragung ihrer Print-Anzeigen ins Internet ist.

Lösungsansätze  (und was hat Native Advertising mit Sonderveröffentlichungen zu tun?)

Auch heute noch bieten Banner-Ads für Medien das Potential, einen relevanten Anteil am Gesamtumsatz zu erreichen. Es ist aber schon lange nicht mehr ausreichend, die Webseiten mit Unmengen an Werbeflächen zu plakatieren und hier beliebige Werbung hereinfließen zu lassen. Die richtige Werbung im richtigen Umfeld für den richtigen User – und idealerweise noch zum richtigen Zeitpunkt! Dies bedeutet zum Beispiel, dass die Zuordnung von Werbung zu Rubriken ein simpler Bestandteil der Optimierung sein muss – bei Print lange gelernt. Auf dem Weg zum “richtigen Umfeld” der Werbung kommt man im nächsten Schritt zum Native Advertising, also das Einbinden gekennzeichneter Werbeinhalte in das redaktionelle Umfeld. Die Werbeinhalte werden an den Look-and-Feel der jeweiligen “Werbefläche” Webseite angepasst. Hier herrscht noch große Zurückhaltung und Skepsis auf Seiten der Medien. Verwunderlich, denn auch Native Advertising sollte zum Beispiel den Zeitungsverlagen sehr vertraut sein. So, wie Banner-Ads die Übertragung von Formatanzeigen ins Internet sind, so ist Native Advertising die Übertragung von Sonderveröffentlichungen ins Internet. Bei den Sonderveröffentlichungen in der gedruckten Zeitung ist der Mehrwert eines redaktionellen Umfelds jedem Zeitungsmenschen klar, bei Online nicht – das wird sich ändern.