new TV: Quotenmessung im 2nd Screen

new TV: Quotenmessung im 2nd Screen

Für TV-Sender, TV-Vermarkter und Werbeindustrie gilt der 2nd Screen als Hoffnungsträger. Hier kann der Kunde erreicht werden, hier liegt seine Aufmerksamkeit neben dem klassischen TV Gerät. Auf Veranstaltungen im TV Umfeld wird entsprechend das „ob“ nicht mehr diskutiert, sondern zumeist nur noch die Frage, wer von TV-Gerät und Tablet eigentlich 1st und 2nd Screen ist.

Dazu passend gibt es regelmäßige Studien über das Nutzungsverhalten so wie aktuell diese hier: „Jeder vierte Deutsche surft beim Fernsehen im Internet“

Interessant werden diese Studien allerdings zumeist im Kleingedruckten: „… wurden mehr als 30.000 regelmäßige Internetnutzer befragt“.

Wenn also die Grundgesamtheit aus „regelmäßigen Internetnutzern“ besteht, wie aussagekräftig sind diese Zahlen? Ein Blick in den Digitalisierungsindex von D21 zeichnet ein Bild der deutschen Bevölkerung, in der 77% Internetnutzer sind und nur 51% als „digital souverän“ bezeichnet werden.

Eine (oberflächliche) Kombination dieser Betrachtungen würde also bedeuten, dass 26% der relevanten 51% gemeint sind. Somit ist die 2nd Screen Nutzung plötzlich auf 13% gesunken: „Nur jeder achte Deutsche surft beim Fernsehen im Internet“. Klingt nicht mehr ganz so plakativ, ist aber vielleicht näher an der Realität. Denn laut D21 Studie besaßen 2014 in Deutschland 28% der Bevölkerung ein Tablet. Es ist gut vorstellbar, dass nur die Hälfte hiervon es parallel zum TV Konsum nutzt.

Wir wollen hier nicht die eine oder andere Zahl im Detail nachrechnen, sondern darauf hinweisen, dass die bekannten Probleme der bisherigen Quotenmessung im klassischen TV nicht auf digitale Services übertragen werden dürfen. Wenn TV-Planer und Vermarkter diese Zahlen als Entscheidungsgrundlage nehmen, sollten sie möglichst nah an der Realität sein.

The Next Thing in Mobile Targeting

The Next Thing in Mobile Targeting

Die Meldung erscheint wie eine von vielen: YP, die ehemalige Telefonbuchsparte von AT&T, übernimmt Anfang 2015 den Targeting-Spezialisten Sense Networks. Doch ein Blick hinter die Meldung lohnt. Denn Sense Networks ist eine besondere Firma. Vor 12 Jahren von Wissenschaftlern des MIT und der Columbia University gegründet, besitzt Sense Networks Patente auf Technologien, die eine bewegungsbezogene Verhaltensforschung erlauben. Die Idee ist einfach und genial. Über GPS werden die Geodaten eines Smartphone-Besitzers an die Server von Sense Networks übermittelt. Diese werten aus, wie und wo sich die Person bewegt. Es entsteht ein lückenloses Bewegungsprofil, das exakte Rückschlüsse auf die Person zulässt. Nach dem Motto: Wenn ich weiß, wohin Du Dich bewegst, weiß ich auch, wer Du bist.

Sense Networks gleicht die Bewegungsdaten mit detaillierten Geodaten ab. Die Firma weiß, in welche Läden eine Person gegangen ist und wie lange sie sich dort aufgehalten hat, ob sie in der Freizeit Fahrrad fährt oder lieber Golf spielt, ob sie sonntagmorgens gern lange frühstückt oder in die Kirche geht. So lässt sich errechnen, ob die Person jung oder alt ist, welchen Beruf sie nachgeht und sogar wie fit sie ist. Die selbst lernenden Programme werden immer besser und besitzen laut Firmenangaben bereits Profile von 100 Millionen Amerikanern. Kein Wunder, dass im Vorstand auch ein Chief Scientist sitzt. Mit predictive analytics – Methoden weiß das Programm, wann z.B. ein Pendler an einem bestimmen Laden vorbeikommen wird und kann die Werbung vorher ausspielen, wenn er z.B. noch beim Frühstück oder in der Bahn sitzt und viel empfänglicher für Werbung ist. Diese Methode ist viel erfolgreicher als das Geo Fencing, das Werbung aktiviert, wenn sich die Zielperson einem PoS nähert. Denn nicht immer ist der Zeitpunkt, wenn der Kunde nah am PoS ist, auch der beste Zeitpunkt für einen Werbeanstoß. Und das traditionelle Tracking von Webseiten-Besuchen mutet angesichts dieser Technologien wie „Steine klopfen“ an. Kein Wunder, dass die Finanzinvestoren hinter YP zugeschlagen haben.

 

Leadership for the Digital Age

Leadership for the Digital Age

Klassische Führungsmodelle und -prinzipien funktionieren in Zeiten der digitalen Transformation häufig nicht mehr. Veränderungen im Markt und im Unternehmen selbst sind so schnell und umfassend, dass bewährte Change-Konzepte oft als zu langsam und unpassend erscheinen. Ein Hauptproblem dabei ist die digitale Kompetenz, die zumeist in den Teams stärker ausgeprägt als im Management selbst. Wie können Unternehmen und Manager/innen darauf reagieren und erfolgreich sein bzw. bleiben?

Wir beobachten bei unseren Kunden, dass hierarchische Linienorganisationen von flexiblen, prozessorientierten Teamstrukturen abgelöst werden. Auch Arbeitsort und -zeit werden flexibilisiert – sowohl durch klassische Modelle wie Home Office und Teilzeit, als auch durch radikalere Modelle wie reine virtuelle Büros. Die Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern muss sich diesem Wandel anpassen.

Zeitgemäße Kommunikationsmittel (Wikis, Messenger, Social Media) treten an Stelle klassischer Berichtswege und Mail-Verteiler. Dabei können Vorgesetzte diese neuen Kommunikationsmittel nur dann erfolgreich nutzen, wenn es ihrem persönlichen Stil entspricht und sie sich damit identifizieren können. Aufgesetzte und angelernte Kommunikationsformen werden vom Team schnell durchschaut und „enttarnt“ – die Gefahr von Vertrauensverlust ist groß. Zukünftige Führungskräfte werden daher andere Kompetenzen benötigen als ihre eigenen Vorgesetzten, was das übliche Kopieren von Verhaltensmustern nicht mehr zulässt. Die Führungskraft von morgen ist stärker Moderator, Coach und Kommunikator als je eine Generation zuvor. Gleichzeitig darf keine „Wohlfühl-Kultur“ als Selbstzweck entstehen, Erfolg am Markt bleibt das Ziel unternehmerischen Handelns – diese Balance zu finden ist eine stete Herausforderung.

Die Chefin bzw. der Chef der Zukunft muss also in der Organisation einen Change Prozess initiieren und steuern, der von „Digital Natives“ allerdings nicht als Veränderung, sondern als Selbstverständlichkeit wahrgenommen wird. Veränderung  wird zum Dauerzustand.

Daraus ergeben sich vielfältige Handlungsfelder für Führungskräfte in einer digitalisierten Arbeitswelt:

  • Bewusstes Management von „Digital Diversity“
  • Akzeptanz flexibler Aufbauorganisationen und fehlender Hierarchien
  • Nutzen der veränderten Machtpositionen aufgrund der Informationssymmetrie
  • Förderung von Flexibilität, Veränderung und Innovation
  • Neudefinition der Mitarbeiterbedürfnisse
  • Erkennen des Stellenwerts von Big Data

Ein „Digital Assessment“ kann ein wichtiger erster Schritt sein, um für das eigene Unternehmen den Reifegrad zu ermitteln und Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Dieser Blogpost basiert auf dem Artikel “Leadership of the Digital Age” von Christoph Hüning und Charlotte Priess, der in der Zeitschrift „Oscar Trends“ 01/2015 erschienen ist:
http://www.oscar.de/ueber-uns/publikationen/

Regionale Werbemärkte – wird das letzte Kuchenstück neu verteilt?

Regionale Werbemärkte – wird das letzte Kuchenstück neu verteilt?

Facebook hat im April 2015 seinen Dienst „Local Awareness Ads“ in Deutschland scharf geschaltet. Die Zielrichtung ist klar: Facebook möchte seine gigantische Reichweite nun auch bei lokalen Werbekunden kapitalisieren. Der hohe Anteil von mobilen Nutzern macht eine Kombination aus personalisiertem und geographischem Targeting möglich. Welcher lokale Händler träumt nicht davon, dass er seine Zielgruppe exakt in dem Moment anspricht, wenn sie vor der Tür steht?

Der strategische Ansatz ist nicht neu. Google und Amazon verfolgen diese Strategie, andere deutsche Mediennetzwerke werden folgen – skandinavische Medienhäuser sind bereits unterwegs. Es ist die letzte Bastion der Werbemärkte, die von der Digitalisierung bislang unangefochten ist. Und der Markt ist riesig – wir schätzen ihn auf ca. 5.400 Tsd. Mio Euro pro Jahr (Quelle: Schickler Research).

Bislang konnten die regionalen Tageszeitungen, Anzeigenblättern und Radiostationen ihre Marktanteile gut verteidigen. Dagegen sind nationale Werbung, Rubrikenmarktplätze und Direktwerbung in den letzten Jahren bereits deutlich umverteilt worden.

Was können die lokalen Medienhäuser tun? Statt einer defensiven Verteidigungshaltung raten wir bei Schickler zu einer offensiven Strategie. Der Schlüssel ist die regionale, mobile Reichweite und die Fähigkeit, diese Reichweite zu qualifizieren. Regionale Medienhäuser sollten News- und Special Interest-Portale aufbauen und diese mit regional orientierten Themenwelten und Marktplätzen kombinieren. Die Reichweiten müssen verknüpft und intelligent mit den klassischen Medienangeboten kombiniert werden. Wer dann das Zielgruppen-Targeting schafft, hat gute Voraussetzungen.

Es ist jedoch ein Irrweg, auf die Stärke der lokalen Marke zu setzen. Eine Schickler-Analyse lokaler Reichweiten in Deutschland zeigt, dass sich unter den Top Ten Reichweitenträgern höchstens 2-3 lokale Marken befinden – und eher auf den hinteren Plätzen. Ebenso wenig hilft es, auf die lokale Verkaufsmannschaft zu vertrauen. Die Rubrikenmarktplätze wie z.B. die Scout-Gruppe haben Anfang des Jahrtausends vorgemacht, wie man einen landesweiten Verkauf aufbaut. Sie haben zunächst auf regionale Key Account-Verkäufer in den Ballungszentren und Telefonverkauf gesetzt und dann, Schritt für Schritt, die restlichen Städte erobert. Voraussetzung damals wie heute: Das Angebot muss attraktiv sein.

Noch sind die lokalen und regionalen Werbebudgets in den Händen der regionalen Medien. Doch spätestens mit einem Generationenwechsel bei den Entscheidern wird sich zeigen, wer regional das Rennen macht. Losgelaufen sind schon Google und Facebook. Deutsche Medienhäuser hätten jetzt noch Zeit zu reagieren. Doch wer die nächsten Jahre abwartet, wird abgehängt werden.

Geschäftsmodell “Guardian Angel”

Geschäftsmodell “Guardian Angel”

“Kleine Helfer sind besser als keine Helfer” Han Solo, Star Wars Episode VI

Der 21.04.2015 wird wieder ein Tag werden, an dem Geschichte geschrieben wird. Google wird seinen Algorithmus verändern…..oder an hunderten Parametern schrauben, wie ich glaube. Es geht um die „Fähigkeit“ von digitalen Präsenzen, auf mobilen Endgeräten möglichst optimal zu „erscheinen“. Im letzten Jahr wurde bekannt, daß Facebook Algorithmen benutzt, um in uns Emotionen zu verstärken. Das sind (nicht zuletzt wegen der enormen wirtschaftlichen Implikationen) heute und für die Zukunft NUR zwei Beispiele, wie Algorithmen das tägliche Leben bestimmen. Wir nutzen sie; wir vertrauen ihnen oft private Infos an; wir „glauben“ ihnen; wir „lieben“ sie, wenn sie unser Leben erleichtern, jedoch wissen wir fast nichts über sie. Natürlich gibt es eine Reihe von Tools, die zum Beispiel Google vermessen, weil die gesamte E-Commerce Industrie davon abhängt. Aber selbst diese Tools sind nur so gut wie eben „grober Nachbau“ einer Suchmaschine nur sein kann. Gibt es da nicht eine Möglichkeit, ganz klein anzufangen und für unseren „Digital Trail“ kleine Helfer zu bauen, die uns Infos geben, wann was wo und warum gerade mit welchen Algorithmen bearbeitet wird? Ja, es gibt hier die Idee für ein Geschäft! Wir brauchen „Algorithmic Angels“ als Tools, die uns in jeder Umgebung zur Seite stehen und auf Anfrage oder automatisch informieren, vorschlagen oder warnen. Ich würde sogar noch einen entscheidenden Schritt weiter gehen: wir können diese „Schutz-Engel“ nicht nur individuell für jeden Benutzer (oder Unternehmen) anpassen, sondern damit mehr Transparenz in die digitale Wirtschaft bringen. Was ist, wenn meine AngelApp mir farblich signalisiert, ob ich in diesem Augenblick „gerendert“ werde von einem oder vielen Algos (also meine Daten synthetisiert, aufbereitet und zu bestimmten Zwecken verarbeitet werden)? Wie wäre es, wenn eine „Ampel“ mir anzeigt: „Achtung, gelber Alarm; Deine Daten werden gerade so getunnelt, dass Du viel zu teuer einkaufen wirst!“? Die Engel könnten für viel mehr Zufriedenheit mit dem „Digital Self“ sorgen und damit letztlich auch die „D-Conomy“ noch sicherer und damit erfolgreicher machen. Projekt „Guardian Angel“; ich bin dabei!